Das Thema Datenschutz bedeutet fĂŒr viele Verbraucher einen verbesserten Schutz ihrer PrivatsphĂ€re. Unternehmern hingegen treibt es Schweißperlen auf die Stirn. In zweierlei Hinsicht, denn die Umsetzung hat tiefgreifende Änderungen und jede Menge Arbeit zur Folge.

Was zunĂ€chst einen großen Aufwand bei der Implementierung im Unternehmen heißt, schafft auf Dauer viele Vorteile: das Vertrauen der Kunden wĂ€chst, die Marktposition wird gestĂ€rkt, interne Prozesse werden ĂŒbersichtlicher und bieten damit ein großes Optimierungspotenzial . Gerade kleine Unternehmen können von der DSGVO profitieren und sich Wettbewerbsvorteile verschaffen.

Welche Chancen der neue Datenschutz bietet, verraten wir Ihnen in diesem Artikel.

Wettbewerbsverbesserung

Immer wieder ist zu lesen, dass die DSGVO den Wettbewerb verzerren wird. Unternehmen aus dem EU-Raum wĂŒrden mit den verschĂ€rften Datenschutzbestimmungen gegenĂŒber Wettbewerbern aus anderen LĂ€ndern das Nachsehen haben.
Deutsche Unternehmen, die datenschutzkonform (gemĂ€ĂŸ dem Bundesdatenschutzgesetz) arbeiteten und weder personelle noch finanzielle MĂŒhen scheuten, waren oft im Nachteil. Mit dem Inkrafttreten der neuen Grundverordnung ab 25. Mai 2018 sind hingegen viele Vorteile fĂŒr sie verbunden. Ab dann gilt das Marktortprinzip (der Ort der GeschĂ€ftsaktivitĂ€t zĂ€hlt) und es werden gleiche Wettbewerbsbedingungen fĂŒr alle geschaffen. Jedes Unternehmen und jede Organisation, die im EU-Raum personenbezogene Daten erfasst, ist gezwungen, sich an die Grundverordnung zu halten.
Wer bisher schon großen Wert auf Datensicherheit und den Schutz der PrivatsphĂ€re seiner Kunden, Mitarbeiter und GeschĂ€ftspartner legte, ist bereits jetzt besser aufgestellt als so mancher Mitbewerber und Partner in seiner Branche. Das ist zumindest unsere Erfahrung von erdfisch.

Datensicherheit stÀrkt das Image und die Kundenbindung

DatenschutzvorfĂ€lle in der Vergangenheit zeigten: Wird nicht fĂŒr eine ausreichende Sicherheit gesorgt und kommt es zum Missbrauch bzw. gelangen Daten an unberechtigte Dritte, fĂŒhrt das zu einem hohen Imageverlust. Nicht nur fĂŒr grĂ¶ĂŸere Unternehmen, sondern gerade fĂŒr kleine und mittelstĂ€ndische Firmen kann das weitreichende finanzielle Folgen haben.

Umso wichtiger ist es, die DSGVO gewissenhaft umzusetzen und dies auch öffentlich zu kommunizieren. Dies ist wichtig, um als Unternehmen eine Vorreiterfunktion einzunehmen. Dabei geht es nicht darum, den Zeigefinger zu heben und auf das eigene „gute Betragen“ hinzuweisen, sondern darum, die Bedeutung des Datenschutzes und der Datensicherheit zu transportieren. Nur so nehmen andere Unternehmen und Mitarbeiter das Thema ernst. Die Vorteile sind nicht von der Hand zu weisen. Das Image wird verbessert, das Vertrauen ins Unternehmen steigt und die Kundenbindung wird gestĂ€rkt.
Unser Protipp: Die Teilnahme am neuen gesetzlich normierten DSGVO-Zertifizierungsverfahren kann dazu beitragen, weitere Wettbewerbsvorteile zu erlangen. PrĂŒfen Sie fĂŒr sich die Anforderungen und ob eine Umsetzung sinnvoll ist. Andernfalls vergeuden Sie Ihre Ressourcen und das muss nicht sein.

Prozesstransparenz und -optimierung

Die Datenschutz-Grundverordnung hat den Nachteil, dass alle Arbeitsprozesse hinsichtlich der DatenschutzkonformitĂ€t ĂŒberprĂŒft und angepasst werden mĂŒssen. Gleichzeitig aber mĂŒssen alle GeschĂ€ftsprozesse transparent abgebildet und dokumentiert werden und werden so gleich auf Effizienz und EffektivitĂ€t untersucht. Eine klassische Win-win-Situation.

Wir empfehlen, diese Chance unbedingt zu nutzen, um ArbeitsablĂ€ufe zu optimieren. Wenn Prozesse einfacher gestaltet, vereinheitlicht oder modernisiert werden, steigt der Nutzen und die Kosten sinken. Langfristig ermöglicht dies, interne Verfahrensweise klar zu strukturieren, permanent zu kontrollieren und somit Verbesserungspotenziale aufzuspĂŒren.

Privacy by Design: neue Prozesse einfĂŒhren

Nicht immer mĂŒssen nur bestehende AblĂ€ufe modifiziert werden. Oft ist es notwendig, gĂ€nzlich neue Prozesse einzufĂŒhren. Wer dies bisher lediglich aus Unternehmersicht getan hat, wird ab Mai vor eine neue Herausforderung gestellt. Der Grundsatz „Privacy by Design“ wird nĂ€mlich Standard. Das bedeutet, dass Datenschutzmaßnahmen bereits bei der Entwicklung von Produkten und Verfahren nach dem Stand der Technik integriert sein mĂŒssen.

FĂŒr diejenigen, die dem Thema Datenschutz und Datensicherheit schon immer eine hohe Gewichtung beigemessen haben, ist diese Bestimmung nichts Neues. Wir z. B. haben als Drupal-Agentur bereits in der Vergangenheit großen Aufwand betrieben, um unsere hohen Standards zu sichern und datenschutzfragwĂŒrdige Dienstleister und Werkzeuge zu meiden. Auch wenn das nicht immer einfach war, werden wir kĂŒnftig von diesen Maßnahmen profitieren und garantieren unseren Kunden DSGVO-konforme Dienstleistungen.

All jene, die Privacy by Design noch nicht implementiert haben, sei geraten: Je eher Sie den Datenschutz in Entwicklungsprozesse einbinden, desto selbstverstÀndlicher wird er in Ihren internen AblÀufen und Sie können sich dauerhaft besser positionieren.

Mitarbeiter werden inoffizielle Datenschutzbeauftragte

Die Datenschutz-Grundverordnung stĂ€rkt nicht nur die Rechte der Mitarbeiter, sondern sensibilisiert generell fĂŒr das Thema Datensicherheit. Nicht nur die GeschĂ€ftsfĂŒhrung und die offiziellen Datenschutzbeauftragten eines Unternehmens sollten ĂŒber alle VorgĂ€nge im Bilde sein, die gesamte Belegschaft sollte in die Anpassung an die Grundverordnung eingebunden werden. Wichtig ist aus unsere Sicht, dass ein GemeinschaftsgefĂŒhl entsteht. Nicht nur „irgendeine“ Abteilung ist betroffen, sondern das komplette Unternehmen. Jeder Mitarbeiter ist mitverantwortlich, die VerĂ€nderungen so gut wie möglich umzusetzen.

Wir konnten feststellen, dass Prozessanalysen und -optimierungen dazu fĂŒhren, interne AblĂ€ufe besser zu verstehen. Gleichzeitig werden die Mitarbeiter im Bereich Datensicherheit geschult und geben diese Erkenntnisse sowohl im privaten als auch im Arbeitsumfeld weiter. Dies ist eine gute Starthilfe fĂŒr die EinfĂŒhrung von neuen und umfangreicheren Datenschutzstandards. Sie werden auf diese Weise dauerhaft auf einem hohen Niveau gehalten. Allerdings funktioniert das nur, wenn Sie Ihre Mitarbeiter mit im Boot holen und bei der Umsetzung einbeziehen.

Verbesserte DatenqualitĂ€t – verbessertes Marketing

Auf den ersten Blick scheint die DSGVO gerade fĂŒr kleine Unternehmen einen ziemlich hohen Arbeitsaufwand mit sich zu bringen. Außerdem ist die Erfassung von personenbezogenen Daten, zu denen ab Mai auch erstmals Cookies und IP-Adressen zĂ€hlen, nicht einfach und hĂ€ngt von der Einwilligung des Kunden ab. Eine Datenerfassung, die dafĂŒr genutzt wird, die Marketingkommunikation stetig zu verbessern, scheint damit der Vergangenheit anzugehören.

Aber weit gefehlt: Kann ein Unternehmen, wie weiter oben erwĂ€hnt, öffentlich mit hohen Datensicherheitsstandards punkten, so werden die fĂŒr MarketingaktivitĂ€ten benötigten Daten auch weiterhin zur VerfĂŒgung stehen. Und das sogar in einer qualitativ besseren Form als heute, sofern Sie sie rechtlich einwandfrei erfassen. Die Informationen werden hochwertiger und verlĂ€sslicher sein und bilden damit eine gute Grundlage fĂŒr die Entwicklung von wirksamen Marketingkonzepten.

Mit der DSGVO neue Kunden gewinnen

Die Datenschutz-Grundverordnung schafft nicht nur einen einheitlichen Rechtsrahmen fĂŒr die Datensicherheit in der EU, sondern baut auch Handelsbarrieren ab.

Ab Mai gilt das Recht auf DatenportabilitĂ€t, was gerade fĂŒr KMU eine bessere Stellung gegenĂŒber großen Mitbewerbern bedeutet. Personenbezogene Daten können dann einfacher zwischen Service-Providern ĂŒbertragen werden, womit Kunden der Wechsel zu anderen Leistungsanbietern deutlich erleichtert wird.

Außerdem werden die bĂŒrokratischen HĂŒrden bei einer Expansion in andere EU-LĂ€nder gesenkt. Bisher ist es notwendig, sich mit den jeweiligen nationalen Aufsichtsbehörden auseinanderzusetzen. Ab Mai entfĂ€llt dies durch die EU-weite Verordnung und reduziert damit auch die Kosten, die mit einer GeschĂ€ftserweiterung verbunden sind.

Das One-Stop-Shop-Prinzip bringt sowohl fĂŒr Organisationen als auch fĂŒr Verbraucher eine enorme Vereinfachung. One-Stop-Shop heißt, dass fĂŒr ein Vorhaben nicht mehr verschiedene behördliche Stellen, sondern nur noch eine einzige zustĂ€ndig ist. So arbeiten Unternehmen zukĂŒnftig nur noch mit einer Aufsichtsbehörde zusammen, und zwar mit der, die im EU-Land des Hauptsitzes zustĂ€ndig ist.

Fazit

Auch wenn die Datenschutz-Grundverordnung erst einmal einen hohen Aufwand und zusĂ€tzliche Kosten mit sich bringt, birgt sie fĂŒr Unternehmer viele Vorteile, die erst auf den zweiten Blick ersichtlich werden. Die MĂŒhe wird sich lohnen, spĂ€testens wenn die jetzigen Investitionen FrĂŒchte tragen und Sie Ihre Marktposition verbessern können.

Profilfoto Frank Holldorff

Frank Holldorff

GeschĂ€ftsfĂŒhrer