Am 4. Februar gab es das erste große Drupal DACH Online-Meetup, moderiert von Nico Grienauer und Christian Schnabl.

Mit knapp fünfzig Teilnehmenden aus der Schweiz, Österreich, Deutschland und sogar Belgien haben wir uns in einer vom CMSgarden gesponserten BigBlueButton-Instanz getroffen. Dabei gab es einen Hauptvortrag, eine Handvoll Lightning-Talks und viele Themen über die man – auf Wunsch mit einem Getränk aus dem eigenen Kühlschrank – heiß diskutieren konnte.

Künftig trifft sich an jedem ersten Donnerstag im Monat die deutschsprachige Drupal-Community online, um sich in einem größeren Rahmen, als es bei den bisherigen ortsbasierten Usergroups üblich war, auszutauschen. Das nächste Online-Meetup 4. März um 19 Uhr ist schon in Planung.

Graph-Visualisierung

Begonnen haben wir den Abend mit 15-Minütigen Breakout-Rooms um erstmal ein bisschen zu quatschen und „anzukommen“. 
Im Anschluss wurde uns ein Vortrag von Mathilde Dumond und Miro Dietiker von MD Systems gesponsert: „Graph-Visualisierung der Informationsarchitektur und Relevanzdaten einer Website“. Ein sehr innovativer Ansatz, um die Inhaltsarchitektur einer Website zu analysieren und Problembereiche oder Verbesserungspotential in den Beziehungen der einzelnen Seiten untereinander zu erkennen.
Durch eine Kombination von diversen Tools ist es MD Systems gelungen, die Struktur der Inhalte als einen Graphen mit allen Beziehungen zwischen den Seiten darzustellen und daran diverse Analysen zu erstellen. Bei komplexen Webprojekten, die mit der Zeit gewachsen sind, ist das ein sehr wertvoller Einblick, um die UX zu verbessern.

Lightning Talks Spannende Einblicke in fünf verschiedene Themen

Lightning-Talks sind kurze Vorträge mit anschließender Fragerunde. Eine Besonderheit beim DrupalDACH Meetup: Über Retrospected konnte jeder Themen einreichen und drei Stimmen abgeben. So haben die Teilnehmenden selbst entschieden, wovon sie hören und worüber sie reden möchten.

Drush deploy Command

Beim ersten Lightning-Talk stellte uns Norman Kämper-Leymann von 1xInternet den neuen Drush deploy Command vor, welcher ab Drush 10.3 zur Verfügung steht. Da der Trend zum automatisierten Deployment geht ein sehr praktischer Command, mit welchem wir nun zum exakt richtigen Zeitpunkt, nämlich entweder vor oder nach dem Config-Import Update-Hooks ausführen können.

Drupalcamp Germany & DrupalCon Europe

Baddý Breidert von 1xInternet sprach in ihrem Lightning Talk die aktuelle Situation an. Aktuell sieht es danach aus, dass wir an der DrupalCon Europe und an anderen Konferenzen in absehbarer Zeit nicht persönlich teilnehmen können, auch wenn wir uns schon sehr auf Barcelona gefreut hatten.

Baddýs Vorschlag: Das DrupalCamp Germany ausfallen zu lassen und dafür alle Kräfte in der DrupalCon zu bündeln.
Voraussichtlich wird die DrupalCon Europe auch in diesem Jahr online stattfinden. Dadurch ist eine große Zahl an Sessions möglich. Hier ergibt sich die Möglichkeit, Vorträge in unterschiedlichen Landessprachen zu halten. Ein Türöffner für Einsteiger oder Personen, die des Englischen nicht mächtig sind.

Das Thema wurde heiß diskutiert und wird sicherlich beim nächsten DrupalDACH-Meetup wieder aufgegriffen. Ich bin gespannt, denn ein so kombiniertes Format kann ich mir auf der DrupalCon gut vorstellen.

Welches Base-Theme für Drupal 9

Im Anschluss startete Stephan Luckow von der GzEvD eine Gesprächsrunde rund um das Thema Base-Themes in Drupal 9. Dabei fiel schnell auf, dass viele Teilnehmende unterschiedliche Ansätze verfolgen und das Frontend-Ecosystem sich etwas zersplittet hat.

Einige bevorzugen „Vanilla“, also einfach auf Stable / Classy aufzusetzen (Base-Themes im Drupal Core) und Drupal alles rendern zu lassen. Andere bevorzugen komplexere Systeme wie Particle 2 mit PatternLab, um ein Atomic Design und somit einen Styleguide zu haben. Wieder andere arbeiten direkt komplett decoupled mit einer Javascript-App, die Drupal nur als Datenbackend nutzt.

Meiner Meinung nach hat sich das Thema Frontend in den letzten Jahren so stark und in so viele unterschiedliche Richtungen entwickelt, dass es schwierig wird, eine allgemeine Aussage zu treffen. Meine Erfahrung ist, man sucht die Technologie nach den Anforderungen des Projekts aus. Auch dieses Thema wird sehr wahrscheinlich das nächste Mal weiter diskutiert, da hier viele Meinungen aufeinander prasselten.

CLI-Tool: Drupal Patches validieren (Proof of Concept)

Boris Böhne lieferte uns im nächsten Beitrag einen Proof of Concept für ein auf node basierendes Command Line Interface Tool, genannt „check-drupal-patches“. Man kann es global installieren und bei jeder beliebigen Drupal-Installation prüfen, ob die angewendeten Patches anwendbar sind und bei welchen Versionen sie funktionieren. Dies ist sehr praktisch, weil Composer im Normalfall nur darüber informiert, ob ein Patch anwendbar ist oder nicht. Um eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu haben wie man damit umgeht, wenn ein Patch nicht mehr funktioniert, gibt dieses Tool einen sehr guten Einblick über die verschiedenen Modul-Versionen und ihre Kompatibilität.

Ein Jahr Covid-19 - Lessons learned mit FOSS Videotools

Zum Abschluss gab uns Stephan Luckow einen Einblick in seine Erfahrungen und Meinungen zum Thema Free Open Source Videotools (FOSS). Durch die aktuelle Lage haben wir alle mehr Kontakt zu diesem Thema und vor allem auch zum Datenschutz der damit einher geht.
Das Wichtigste vorweg: Alles was wir von proprietären Anbietern wie Zoom oder MS Teams kennen, lässt sich auch mit FOSS umsetzen. Im Gegensatz zu den genannten Anbietern sichern FOSS-Videotools uns die eigene Unabhängigkeit sowie die Kontrolle über unsere Daten. Stephan präsentierte folgenden Tools:

  • Jitsi lässt sich selbst hosten oder als Software as a Service (SAAS) einkaufen und eignet sich gut für kleine Teams.
  • BigBlueButton lässt sich ebenfalls selbst hosten oder als SAAS einkaufen und eignet sich besser für größere Vorträge und Veranstaltungen, da man mehr Moderationsoptionen hat.
  • Senfcall ist außerdem ein tolles Projekt aus Deutschland, das auf Spendenbasis BigBlueButton-Instanzen zur Verfügung stellt. Gut, wenn man diese nur eingeschränkt oder kurzzeitig benötigt.

Kamera an oder aus?

Muss man eigentlich immer die Kamera anschalten, auch wenn man gerade nichts zu sagen hat? Oder spart man besser Traffic und lässt die Kamera aus? Eine heikle Frage, die bei Weitem nicht nur dieses Meetup betraf.

Meine persönliche Meinung ist, dass die nonverbale Kommunikation – wie die Mimik – eine große Bedeutung für das Verständnis hat. Da wir im aktuellen Alltag wenige Gesichter ohne Maske sehen, finde ich das gerade jetzt noch wichtiger. Trotzdem muss ich das Argument gelten lassen, dass es für die Umwelt besser ist, Traffic einzusparen und die Kamera auszuschalten.

Gegen 22 Uhr wurde das Meetup offiziell beendet. Der Raum blieb geöffnet, sodass die Teilnehmenden sich weiter unterhalten konnten. Bei einigen Getränken aus dem heimischen Kühlschrank führten wir noch bis kurz vor Mitternacht heiße Diskussionen zu unterschiedlichsten Themen. Es fühlte sich ein bisschen an wie der Barabend nach einem Event und hat mir sehr gefallen.

Fazit

Ich finde das Event war ein voller Erfolg und ich freue mich schon auf das nächste Mal. Es war schön die ganzen bekannten Gesichter aus der Community mal wieder zu sehen. Auch wenn es nur in einer Videokonferenz war, kam bei mir schon ein bisschen Drupalcamp-Flair auf.
Jeder ist willkommen teilzunehmen und es gibt keine Teilnahmegebühr oder Voraussetzungen – außer einem internetfähigen Endgerät.
Vielleicht sieht man sich ja am 4. März um 19 Uhr beim nächsten DrupalDACH Online-Meetup? Ich würde mich freuen!

Profilbild Peter Gerken

Peter Gerken

Frontend Developer