erdfisch Teamfoto vor einer hohen Treppe in der Altstadt von Lüttich

20 Jahre erdfisch. Gebaut, um zu bleiben.

Getragen von einem Team, das bleibt. Von Kunden, die uns vertrauen. Und von Herausforderungen, die uns besser machen.

Ein Aufnahmegerät, zwei Gesellschafter und ein Rückblick

Frank und Fabian posieren mit erdfisch- und Drupal-Logos am Stiel

Fabian und ich haben uns neulich zusammengesetzt, ein Aufnahmegerät zwischen uns gestellt und einfach erzählt. Wie alles anfing, was geblieben ist, was sich verändert hat. Dieser Artikel ist das Ergebnis. Kein polierter Rückblick – eher eine ehrliche Bestandsaufnahme nach 20 Jahren erdfisch.

Wenn ich eine Sache benennen müsste, die erdfisch seit zwei Jahrzehnten trägt, dann ist es nicht eine einzelne Entscheidung. Kein Produkt und kein Trend. Es ist das Zusammenspiel aus einem beständigen Team, anspruchsvollen Projekten und Kundenbeziehungen, die über Jahre gewachsen sind. Alles andere hat sich um diese drei Dinge herum verändert. Manchmal sanft, manchmal radikal.

Wie wir uns fanden: Ein Rollover-Effekt und seine Folgen

Die Geschichte beginnt 1998 in einem Forum. Ich wollte einen Rollover-Effekt für Grafiken bauen. Das war damals der heiße Scheiß: animierte Reaktionen, wenn man mit dem Cursor über Elemente fuhr. Dafür brauchte man extra Grafiken, die man dynamisch austauschte. Fabian hat auf meine Anfrage im Forum geantwortet, obwohl er selbst keine Ahnung davon hatte. Er hatte die Lösung kurz vorher auf Google zusammengeklaut. So entstand der erste Kontakt. Fabian ist meine älteste Online-Bekanntschaft.

Daraus wurden kleinere gemeinsame Projekte. Dann, 2002 oder 2003, kam über einen Bekannten die Anfrage von einem regionalen Stadtwerke-Anbieter aus Baden-Württemberg. Der Strommarkt wurde gerade liberalisiert, es gab eine Ausgründung, und die brauchten eine dynamische Webseite. Anfrage klingt dabei offizieller als es war. Damals lief vieles über persönliche Kontakte. Fabians erster Kunde, das Klinikum am Weißenhof, kam z. B. über seinen Vater zustande.

Das Problem: Wir konnten HTML, Fabian konnte Grafiken und CSS. Aber so richtig programmieren? Das war nicht unser Ding. Über eine weitere Bekanntschaft kam ich auf Stefan, der in einer Kultureinrichtung in Heidelberg seinen Zivi gemacht hatte, Informatik studiert hatte und tatsächlich programmieren konnte. Zu dritt haben wir das Projekt umgesetzt. Mit einem Custom-CMS, weil damals eben jeder sein eigenes CMS gebaut hat. Nachhaltig war das nicht. Aber es konnte genau das, was wir brauchten.

Von 42 Systemen zu Drupal

Als wir beschlossen, das Ganze ernsthafter anzugehen, hat Stefan klar gesagt: Er kann nicht alles alleine entwickeln. Nicht die Menge an Anforderungen, nicht das Thema Sicherheit. Es gibt Open-Source-Lösungen, die man nutzen und weiterentwickeln kann.

Ich kam aus dem BWL-Studium und fand es ehrlich gesagt seltsam, dass man mit etwas Kostenlosem Geld verdienen kann. Aber ich ließ mich überreden, es zu testen. Stefan von der technischen Seite, ich von der User-Seite. Zusammen haben wir 42 Content-Management-Systeme angeschaut. Übrig blieben zwei: Redaxo und Drupal. Technisch waren beide sehr ähnlich. Stefan konnte aufgrund des technischen Unterbaus nicht sagen, auf welches er setzen würde.

Ausschlaggebend war am Ende die Community. Redaxo hatte damals weit unter 100 aktive Mitglieder. Drupal schon einige Tausend weltweit. Wir setzten alles auf das Pferd Drupal. 20 Jahre später sitzen wir immer noch auf diesem Pferd. Auch wenn es sich ziemlich verändert hat. Ich hatte damals noch mit Drupal 4.5 angefangen: manuell das SQL-File hochladen, per FTP den Ordner übertragen, Pfade setzen, Berechtigungen setzen. Heute ist Version 11 aktuell, alles läuft über Composer, und die Welt sieht ganz anders aus.

2005: erdfisch wird Realität

Irgendwann wurde es unsinnig: Drei Einzelunternehmer, die sich gegenseitig Rechnungen schrieben. Jeder machte Akquise, jeder machte alles. Rein aus Faulheit heraus habe ich gesagt: "Warum machen wir nicht was zusammen?" Jeder macht das, was er am besten kann. Am 11. Oktober 2005 wurde daraus erdfisch.

Die ersten erdfisch-Jahre waren noch ruhig. Wir hatten unsere eigenen Jobs für den Broterwerb. Fabian war Werkstudent bei SAP. Aktivitäten beschränkten sich auf gelegentliche Treffen bei mir am Küchentisch.

Fabian hatte sich selbst ein Jahr gegeben. Wenn sich das nicht trägt, wenn er davon nicht leben kann, dann müsste er sich wohl doch bewerben. Glücklicherweise hat es genau in diesem Jahr Klick gemacht. Wir hatten unsere Kunden, den Durchbruch. Damals waren wir ja nur zu dritt mit kaum Kosten. Wenn ich heute in die Angebote und Rechnungen von damals schaue, muss ich wahrscheinlich lachen.

Gefunden werden: ZEIT, Greenpeace und der 4:28-Uhr-Zug

Was wir sehr früh richtig gemacht haben: Wir waren in der Community sichtbar. erdfisch war Mitbetreiber des Drupal Centers, der deutschen Anlaufstelle für alles rund um Drupal. Wir haben Fragen beantwortet. Support gegeben. Das war eine Zeit, in der sich auch Kunden in solchen Foren herumtrieben.

Die ZEIT fand uns dort zuerst. Wir arbeiteten mit dem internen Team von zeit.de an der ZEIT Community. Die lief damals schon auf Drupal. Bis 2012 haben wir viel konzeptioniert, beraten, Wissenstransfer gemacht, mitentwickelt und Qualitätssicherung betrieben. Im Rückblick ist das ziemlich nah an dem, was wir heute noch stärker leben wollen: nicht nur umsetzen, sondern mitdenken, absichern und Teams befähigen. Über die Jahre haben wir uns schrittweise herausgearbeitet, weil das Team zunehmend eigenständiger arbeiten konnte. So flügge, dass es irgendwann größtenteils auch die ZEIT verließ und etwas eigenes machten. Das fiel allerdings in eine Phase, in der die ZEIT ihre Community-Ambitionen ohnehin zurückfuhr.

Dann kam Greenpeace. Ebenfalls über das Drupal-Center. Die damalige Verantwortliche suchte jemanden für die interne Mitglieder-Kommunikationsplattform. Greenpeace ist heute, fast 20 Jahre später, immer noch Kunde bei uns.

Beide Kunden saßen in Hamburg. Remote Work war damals nicht verbreitet. Also stand ich regelmäßig um 4:28 Uhr am Heidelberger Hauptbahnhof und nahm den Zug nach Hamburg. Damals fuhren die Züge noch verlässlicher.

Unsere Crew: Wer blieb und warum das zählt

Dezember 2009 mieteten wir unsere Büroräume in der Hans-Bunte-Straße. Januar 2010 zogen wir ein. Vorher saß hier ein Unternehmen für Federn, das in den 90ern wegen der Lohnkosten in den ehemaligen Ostblock abgewandert war. Wir waren die Erstmieter nach dem Verkauf des Areals. Altes Verwaltungsgebäude, draußen ein bisschen schäbig, drinnen haben wir uns eine Wohlfühloase geschaffen. Besucher kamen rein und sagten: “Boah, so kann's auch aussehen.”. 16 Jahre später sitzen wir immer noch hier. Oder stehen – aktuell stehen wir gerade.

Wir brauchten das Büro, weil wir Mitarbeitende einstellen wollten. Keiner hatte Lust, die Leute durchs private Wohnzimmer laufen zu lassen oder ihnen den Schlüssel zu geben, wenn man im Urlaub ist.

Marc kam als Erster. Ich bekam einen Anruf von der IHK. Der zuständige Betreuer suchte Unternehmen, die Praktikumsplätze vergeben. Ich wusste nicht, wie man einen Praktikumsplatz vergibt, habe ein paar Sachen abgefragt und gesagt, ich melde mich. Genau zu der Zeit arbeiteten wir mit Subversion, einem Versionssystem auf Java-Basis. Stefan sagte: Wenn er Java kann, nehmen wir ihn. Marc konnte Java. Er kam als Praktikant, machte dann die duale Ausbildung an der DHBW Mosbach, und ist heute, viele Jahre später, immer noch da.

Nach Marc kam Nick, ebenfalls über die Duale Hochschule. Auch Nick ist immer noch bei uns. Daniel unterstützte uns als Werkstudent aus Tübingen, zunächst aus der Community heraus. Felix arbeitete für uns remote aus Nicaragua – unser erster wirklich internationaler Remote-Mitarbeitender.

Über die Community und über Daniel entstanden dann auch die ersten Kontakte zu Pascal – vermutlich um 2010 herum bei der Drupal City in Berlin. Pascal, Dominik, Jannik, Daniel – die waren damals alle irgendwie verbandelt. Michael sprach mich 2012 auf der DrupalCon in München an und fing bei uns an. Anja kam als Back-Office-Kraft dazu und war zwölf Jahre bei uns.

Was mich jedes Mal stolz macht: Wenn ich wieder jemandem zum 12., 13., 15. oder 16. Jahr bei erdfisch gratulieren darf. Wer hat das in unserer Branche, dass Mitarbeitende so lange bleiben?

Remote, Corona und das virtuelle Büro

Unser Büro ist ein Großraumbüro. Egal, was hier passierte, das Team vor Ort wusste Bescheid. Alle außer die, die remote waren. Ich habe eine ganze Weile gebraucht, um zu verstehen, dass eine hybride Kultur etwas grundlegend anderes ist. Es entstand eine Kluft zwischen den “erdfischen” vor Ort und den “Remotes”. Das war nicht gut.

Dann kam uns Corona zugute. Tragischerweise. Noch bevor der offizielle Lockdown kam, schickten wir alle nach Hause. Monitore verschwanden aus dem Büro, Stühle ebenso. Jeder richtete sich ein. Die Heidelberger, die Remote vorher nur genutzt hatten, wenn der Handwerker kam, mussten sich plötzlich damit arrangieren. Und mit einem Mal waren wir wieder alle gleich.

Eine komplette Remote-Kultur aufzubauen brachte eigene Herausforderungen mit sich. Aber es ist uns gelungen. Mit den richtigen Tools und in überraschend kurzer Zeit. Der vielleicht größte Wendepunkt war unser virtuelles Büro. Ein digitaler Raum mit mehreren Zimmern, in dem man mit seinem Avatar präsent ist. Man sieht, wer da ist, wer gerade beschäftigt ist. Man kann auf jemanden zulaufen, eine Video-Bubble öffnet sich, und man redet. So als würde ich am Schreibtisch vorbeigehen und sagen: “Hey, hast du mal ‘ne Minute?”.

[Screenshot Workadventure Büro]

Heute ist es Routine, dass neue erdfische anfangen und man sie erstmal gar nicht persönlich trifft. Oder dass wir mit Kunden ganze Projekte umsetzen, ohne uns je begegnet zu sein.

Wenn mich jemand fragt, was ich früher nie gedacht hätte, aber heute selbstverständlich finde. Remote. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass Menschen außerhalb eines Büros vernünftig arbeiten können. Ich dachte, der Projektmanager muss vor Ort sein, man muss sich kurzfristig abstimmen können. Ich musste meine Meinung ändern. Mit Druck von außen. Und ich muss sagen: Es funktioniert. Sehr gut sogar.

2020–2022: Der Wendepunkt

2020 verließ Stefan die Gesellschaft. Fabian und ich waren als Doppelgestirn unterwegs, aber nachdem keiner von uns Entwickler ist, war das schwierig.

Wir brauchten einen neuen Chefentwickler. De facto war Pascal, der damals schon lange Jahre dabei war, bereits in diese Rolle hineingewachsen. Er hatte Aufgabengebiete von Stefan übernommen. Der natürliche Schritt war, ihn zu fragen, ob er Mitgesellschafter werden will. Als Freiberufler von außen konnte er nicht wirklich mitgestalten. Also das Angebot: erdfisch-Gesellschafter und CTO.

Mitte 2021 wurde es schriftreif. Pascal ist in allem gut. Nicht nur im Entwickeln, sondern auch in geschäftsrelevanten Themen. Ein guter Geschäftsmann. Die Verhandlungen waren entsprechend gründlich.

Seitdem führen wir erdfisch wieder zu dritt. Pascal ist knapp 20 Jahre jünger als ich. Damit ist auch das Thema Nachfolge vom Tisch. Aber er bringt andere Erwartungen, andere Ambitionen und andere Lebensumstände mit. Die alten Gesellschafter mussten sich bewegen. Raus aus der Komfortzone, mitunter. Das war richtig und wichtig.

Fabian sagt es offen: Wir waren an einem Punkt, an dem wir uns neu sortieren mussten. Mit Pascals Einstieg kam frischer Blick in die Führung. Wir haben Prozesse und Prioritäten geschärft und daraus Dinge abgeleitet, die bis heute wirken, zum Beispiel die testweise Einführung der Viereinhalb-Tage-Woche.

Das war nicht immer bequem. Aber es war nötig.

ULF - Unser Produkt

Projektgeschäft ist wie ein Fisch im Wasser. Mal hier, mal dort, mal weg. Das mögen wir. Und gleichzeitig wünschen wir uns an manchen Stellen mehr Planbarkeit.

ULF ist dafür unser nächster Schritt. Automatisierte Wartung, die wiederkehrende Aufgaben zuverlässig abnimmt und Plattformen stabil hält. Seit rund einem halben Jahr läuft das bei ersten Early-Adopter-Kunden. Jetzt bringen wir es in eine erste Version, die wir breiter öffnen.

Ohne Hype, aber mit Neugierde

Seit 2023 liegt das Thema KI auf dem Tisch. Wie dieses "komische Internet" damals geht das nicht mehr weg. Dazu die geopolitischen, gesellschaftlichen Umbrüche. Es wird bei uns nicht ruhig.

In unserer Branche ändern sich ständig Sachen. Fabian sagt gerne: “Wir sind ein ständiges Provisorium.”. Es gibt jeden Morgen die nächste Innovation, die vielleicht nicht nachhaltig ist, aber nachhaltig werden könnte.

Wir schauen uns Neues an. Neugierig, aber nicht kopflos. Nur weil etwas gehyped wird, muss man nicht draufspringen. Sicherheit und Datenschutz waren uns immer wichtig. Im Zeitalter von KI und geopolitischer Unsicherheit nimmt digitale Souveränität eine ganz neue Bedeutung an. Was wir immer vertreten haben, wird plötzlich massenfähig.

In den letzten Monaten nehme ich es in Gesprächen massiv wahr: Sicherheit, digitale Souveränität, Privatsphäre werden wichtiger. Vor allem auch im deutschen Mittelstand. Das freut mich, weil es früher gefühlt niemanden interessiert hat. Die Rufe nach Open Source werden lauter, gerade in der öffentlichen Verwaltung. Abhängigkeiten von Big Tech bringen Schwierigkeiten. Für erdfisch sehe ich da weiterhin eine gute Chance.

Was auch geblieben ist: der kollegiale Umgang unter den Drupal-Agenturen in Deutschland. Ich war neulich auf einem Agenturtag für Marketing- und Werbeagenturen. Das war ein Hauen und Stechen. Einer sagte: Ihr könnt sowas ja ausprobieren mit euren sechs Mitarbeitenden. Wir mit unseren 500 müssen einen ganz anderen Weg gehen. Diese Tonalität kenne ich in der Drupal-Szene nicht. Es gibt ein paar Agenturen, die wir wirklich sehr schätzen. Der Austausch mit ihnen ist offen und ehrlich.

Was bleiben muss

„20 Years of Drupal“ Banner mit zwei erdfischen daneben.

Wir haben eine besondere Art, wie wir zusammenarbeiten. Dieses erdfisch-Sein ist etwas wirklich Besonderes. Es wird sich verändern. Es muss sich verändern. Aber dieses erdfisch-Gefühl muss bleiben. Wie auch immer es sich in den kommenden Jahren ausprägt.

Letztes Wochenende beim Herbstfest haben wir es wieder bemerkt. Auch von Kollegen, die erst im Februar neu dazugekommen sind, von anderen Unternehmen: Wir haben eine andere Kultur, ein anderes Miteinander. Das freut mich jedes Mal. Und es macht mich stolz.

Und unsere Rolle hat sich über die Jahre geschärft. Wir sind heute nicht mehr nur die, die Code schreiben. Wir sind die, die Plattformen über Jahre stabil halten, Entscheidungen mit Kunden abwägen und Verantwortung mittragen. Das ist anspruchsvoll. Und es passt zu uns.

Nicht nur beim Team. Greenpeace ist seit über zehn Jahren Kunde. Wir haben weitere Kunden, die fünf, sieben, manche sogar über zehn Jahre mit uns arbeiten. Diese Stabilität, beim Team und bei den Kunden, macht uns aus.

Fabian hat am Ende unseres Gesprächs gesagt: Ohne Hype, aber mit Neugierde. Besser kann ich es nicht zusammenfassen. Mal sehen, was die nächsten Jahre bringen.


Wenn Sie eine Crew suchen, die bleibt und Verantwortung mitträgt – sprechen Sie uns an.

Fabian Lorenzen

Geschäftsführer / Projektmanager
Profilfoto Fabian Lorenzen