Software End of Life: Welche Drupal-Versionen werden bis wann unterstützt? Brauche ich ein Upgrade?
"End of Life" (EoL) bedeutet bei Software nicht den Tod, auch wenn der Begriff das suggeriert. Warum es dennoch vermieden werden sollte und wie wir das bei Drupal erfolgreich tun, erfahren Sie in diesem Artikel. Ein Überblick über Drupal Core-Hauptversionen und ein Ausblick.
"Läuft doch" ist nicht dasselbe wie "wird unterstützt".
Die Website funktioniert. Seiten laden, Formulare werden abgeschickt, das Backend reagiert. Alles gut, oder? Diesen Gedanken kennen viele, die eine Drupal-Website betreiben. Auch eine, die noch auf Drupal 7 oder 9 läuft. Und er ist nachvollziehbar: Solange nichts sichtbar kaputtgeht, fühlt sich alles stabil an. Doch zwischen "läuft" und "wird aktiv unterstützt" liegt ein Unterschied, der mit der Zeit immer größer wird.
End of Life (EoL) bedeutet: Eine Softwareversion erhält keine offiziellen Sicherheitsupdates, Bugfixes oder Wartungsupdates mehr. Die Software funktioniert weiterhin, aber niemand schließt mehr bekannt werdende Sicherheitslücken oder behebt Fehler. Ab dem EoL-Datum tragen Sie das Risiko selbst.
Für Organisationen bedeutet das: Auch wenn im Alltag alles stabil wirkt, steigt im Hintergrund das Risiko, dass Sicherheitslücken, veraltete Abhängigkeiten oder ungeplante Hosting‑Probleme später deutlich höhere Kosten verursachen als ein rechtzeitig geplantes Upgrade.
Was bei End of Life konkret passiert
EoL klingt dramatisch. Tatsächlich geht es um etwas sehr Konkretes:
Was endet:
- Sicherheitsupdates durch das Drupal Security Team
- Bugfixes für bekannte Fehler
- Wartung durch die Community und Veröffentlichung neuer (Minor-/Patch-)Versionen
- Kompatibilitätspflege mit aktuellen PHP-Versionen und Drittmodulen
Was bleibt:
- Die Website läuft weiter – jedoch zeitlich begrenzt, bis andere Abhängigkeiten
- Inhalte sind weiterhin erreichbar
- Der Code verschwindet nicht
Ein Vergleich mit dem Leben
Vergleiche in andere Bereiche des Lebens zu finden, ist leicht.
- Ein Haus, welches nie gewartet und auf Statik geprüft wird, keine Reinigung, Dämmung oder Wartung erhält, verwittert irgendwann und wird einsturzgefährdet. Bewohnen kann man es weiterhin, aber das Risiko steigt.
- Ein Fahrzeug, das nicht mehr in die Werkstatt kommt und gewartet wird, kann weiterhin funktionieren, aber das Risiko einer Panne oder eines Unfalls wegen des Versagens eines Teils wird schnell immer größer.
Ein Oldtimer wird irgendwann offiziell vom Hersteller "nicht mehr unterstützt" – es werden keine Teile mehr dafür produziert. Er kann jetzt noch sehr teuer und umständlich für lange Zeit manuell gewartet werden. Passiert das nicht, fällt er irgendwann auseinander. - Gleiches gilt für Infrastruktur, Straßen, Schienen, Brücken... sie alle brauchen Wartung und hin und wieder eine Erneuerung oder Generalüberholung.
Das Problem von EoL Software
Das Problem ist nicht, dass am Tag nach dem EoL-Datum alles zusammenbricht. Das Problem ist, dass ab diesem Zeitpunkt jede neu entdeckte Sicherheitslücke offen bleibt. Und mit jeder Woche, die vergeht, wird die Lücke zwischen dem, was Ihre Website kann, und dem, was aktuelle Sicherheitsstandards verlangen, ein Stück größer.
Gerade für Teams mit hoher Betriebsverantwortung ist das relevant, weil EoL weniger ein technisches Ereignis ist, sondern ein Governance‑Thema: Es beeinflusst Sicherheitsniveau, Planbarkeit und die Stabilität der gesamten Plattform.
Warum moderne Websoftware immer weiterentwickelt wird
Wer sich fragt, warum Software nicht einfach „fertig" sein kann, stellt eine berechtigte Frage. Die Antwort liegt in drei Bereichen:
Sicherheit ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Neue Angriffsmethoden entstehen laufend. Was gestern sicher war, kann morgen eine bekannte Schwachstelle sein. Sicherheitsupdates reagieren auf genau diese Dynamik.
Abhängigkeiten verändern sich. Eine Drupal-Website steht nicht allein. Sie baut auf PHP, auf Datenbankversionen, auf Serverumgebungen, auf Contrib-Module und auf Browser-Standards. Wenn sich diese Bausteine weiterentwickeln und die eigene Software stehen bleibt, entstehen Inkompatibilitäten. Erst kleine, dann größere.
Stillstand ist eine Entscheidung. Nur selten eine gute. Denn während die eigene Website auf dem Stand von vor Jahren verharrt, bewegen sich Sicherheitsanforderungen, Hosting-Umgebungen und Nutzererwartungen weiter. Irgendwann passt das nicht mehr zusammen.
In vielen Organisationen führt dieser Stillstand nicht sofort zu Ausfällen, aber langfristig zu steigenden Betriebsrisiken, höheren Wartungskosten und immer schwierigeren Upgrade‑Pfaden.
Drupal: Die wichtigsten EoL-Daten im Überblick
Die folgende Übersicht zeigt, welche Drupal-Versionen wann ihr End of Life erreicht haben oder erreichen werden:
| Major Version | EoL-Datum | Status |
|---|---|---|
| Drupal 7 | 5. Januar 2025 | End of Life |
| Drupal 8 | 2. November 2021 | End of Life |
| Drupal 9 | 1. November 2023 | End of Life |
| Drupal 10 | 9. Dezember 2026 | Unterstützt, EoL angekündigt: Dezember 2026 |
| Drupal 11 | Support aktiv, ongoing | Voraussichtlich mit Release von D13 |
| Drupal 12 | – | Release Geplant für August oder Dezember 2026 |
- Drupal 8 war die erste Version mit dem neuen Release-Modell. Ihr EoL fiel mit dem Ende des Supports für Symfony 3 zusammen, auf dem sie aufbaute.
- Drupal 9 folgte planmäßig zwei Jahre nach Drupal 8 und wurde abgelöst, als Drupal 10 stabil verfügbar war.
- Drupal 7 hatte eine außergewöhnlich lange Lebensdauer. Über ein Jahrzehnt wurde diese Version unterstützt. Warum, haben wir in diesem Artikel bereits ausführlich erklärt. Hintergrund war ein Paradigmenwechsel und ein grundsätzlicher Neuaufbau des gesamten Systems ab Drupal 8. Seit Januar 2025 ist auch hier Schluss.
- Drupal 10 wird bis Dezember 2026 unterstützt. Upgrades auf Drupal 11 sind also noch innerhalb des Jahres 2026 dringend ratsam.
- Vergleichbar wird es mit Drupal 11 weiter gehen. Aktuell ist kein so großer Neuanfang wie zwischen 7 und 8 mehr geplant. Das gibt Planungssicherheit und gute Ausblicke auf relativ unkritische Upgrades für viele Jahre.
Wo finde ich die offiziellen Daten?
Die verbindliche Übersicht zu allen Drupal-Releases und ihren Lebenszyklen finden Sie auf der offiziellen Seite: Drupal Core Release Schedule
Wie Drupals Release-Strategie Orientierung schafft
Seit Drupal 8 folgt Drupal einem klar strukturierten Release-Zyklus. Das macht Planung deutlich einfacher als in früheren Zeiten:
Major Releases
erscheinen alle zwei Jahre, jeweils in geraden Jahren. Drupal 10 kam 2022, Drupal 11 folgte 2024. Drupal 12 wird entsprechend noch dieses Jahr erwartet.
Auf Wunsch führen wir für Sie das Upgrade durch. ▸
Minor Releases
erscheinen alle sechs Monate. Sie bringen neue Features und Verbesserungen, ohne dass bestehende Funktionen brechen. Das bedeutet: Auch zwischen den großen Versionssprüngen entwickelt sich Drupal kontinuierlich weiter. Bei Contrib-Modulen muss auf Kompatibilität geachtet werden. Daher werden Minor Updates bei Verfügbarkeit immer automatisiert in unsere Testsysteme eingespielt. Anschließend werden sie unseren Kund:innen zum Testing übergeben.
Zusatzkosten entstehen dabei nur, wenn außergewöhnlich komplexe Contrib-Module einen aufwändigen manuellen Eingriff erfordern. In den meisten Projekten ist es einfach eine Inklusivleistung unserer automatisierten Wartung mit ULF. ▸
Warum ist das gut?
Weil es Planbarkeit schafft. Sie wissen im Voraus, wann die nächste Version kommt und wann die aktuelle Version ihr Lebensende erreicht. Es gibt keine Überraschungen, keine plötzlichen Ankündigungen. Stattdessen einen verlässlichen Rhythmus, an dem Sie Ihre eigene Planung ausrichten können.
Unterstützt bleiben heißt: ruhiger Betrieb
Es gibt einen Zustand, in dem sich der Betrieb einer Website einfach gut anfühlt. Sicherheitsupdates kommen, werden eingespielt, fertig. Module bleiben kompatibel. Das Hosting läuft rund. Workarounds, Ausfälle oder nächtlichen Anrufe wegen einer Sicherheitswarnung bleiben aus.
Auf der anderen Seite stehen Websites, die über ihr EoL hinaus betrieben werden. Auch das funktioniert, eine Weile. Aber die Nebeneffekte summieren sich:
- Betriebskosten steigen, weil Workarounds nötig werden
- Abhängigkeiten werden unberechenbar, wenn PHP-Versionen oder Hosting-Umgebungen aktualisiert werden
- Das Risiko unangenehmer Überraschungen wächst, weil Sicherheitslücken nicht mehr geschlossen werden
- Die Distanz zur aktuellen Version wird größer, was einen späteren Wechsel aufwendiger macht
Gute Praxis ist, den Wechsel auf eine unterstützte Version als Teil des normalen Betriebs zu verstehen. Nicht als Ausnahmeprojekt, sondern als etwas, das dazugehört.
Upgrade oder Relaunch? Eine Orientierungshilfe
Nicht jeder Versionswechsel muss gleich aussehen. Wenn Ihr System demnächst sein EoL erreicht oder es sogar bereits überschritten hat, kann die Entscheidung anfallen, ob ein gezieltes Upgrade genügt oder ob gleich ein Relaunch die bessere Wahl ist. Die folgenden Punkte helfen Ihnen, sich selbst zu verorten:
Das spricht eher für ein Upgrade:
- Die Website ist technisch solide aufgebaut und erfüllt ihren Zweck
- Design und Struktur passen noch zu den aktuellen Anforderungen
- Es gibt keine grundlegenden Probleme mit der Informationsarchitektur
- Die eingesetzten Module haben Entsprechungen in der Zielversion
- Das Budget ist begrenzt und soll gezielt eingesetzt werden
Und das spricht eher für einen Relaunch:
- Die Website hat strukturelle Schwächen, die ein Upgrade nicht löst
- Design und Nutzererfahrung entsprechen nicht mehr den heutigen Erwartungen
- Die Anforderungen an die Website haben sich grundlegend verändert
- Es gibt den Wunsch, die Website strategisch neu aufzustellen
- Inhalte sollen ohnehin überarbeitet und neu strukturiert werden
Beides sind valide Wege. Welcher der richtige ist, hängt von der konkreten Situation ab. Wichtig ist nur: Die Entscheidung bewusst treffen, statt sie aufzuschieben. Aus unserer Erfahrung zeigt sich: Teams, die ihren Versionswechsel frühzeitig einplanen, reduzieren nicht nur Risiken, sondern gewinnen echte Handlungssicherheit im laufenden Betrieb.
erdfisch berät Sie auf Wunsch gern bei der Entscheidungsfindung und übermittelt eine fundierte und begründete Empfehlung.
Wie geht es weiter?
End of Life ist kein Grund zur Panik. Es ist ein planbares Ereignis mit einem klaren Datum und einem klaren Handlungsrahmen. Drupals Release-Strategie macht es Ihnen leicht, vorausschauend zu planen und den Übergang auf eine unterstützte Version rechtzeitig anzugehen.
Wenn Sie wissen möchten, wo Sie stehen und was als Nächstes sinnvoll wäre, melden Sie sich bei uns. Wir schauen gemeinsam auf Ihre Situation und finden den passenden Weg.
- Ihr Drupal ist noch aktuell genug für ein gezieltes Upgrade? Lassen Sie uns gemeinsam schauen, was dafür nötig ist.
Mehr über Drupal-Upgrades erfahren ▸ - Sie merken, dass es Zeit für einen größeren Schritt ist? Auch dann sind wir die richtigen Ansprechpartner.
Alles über Ihren Drupal Web-Relaunch ▸ - Sie sind noch auf einer unterstützten Version, wollen aber ein EoL vermeiden und haben momentan kein eigenes Technik-Team, das die Wartung zuverlässig durchführt?
Wir sind Ihr Partner für langfristige und gründliche Drupal-Wartung. ▸