Ein Druplicon Maskottchen (Tropfen) und ein Roboter schütteln sich die Hand.

Drupal in der AI-Ära: Warum das CMS der Stunde schon vor Jahren gebaut wurde

Drupals Architektur gibt Ihnen einen einzigartigen Vorteil in der AI-Ära. Wir erklären diesen Vorteil, wie wir bei erdfisch AI bereits in Kundenprojekten einsetzen und worauf es bei der CMS-Wahl jetzt ankommt.

Inhaltsverzeichnis

Ist Ihr CMS bereit für AI?

AI-Tools sind überall. Aber eine Frage wird erstaunlich selten gestellt: Ist das CMS, auf dem Ihre Website läuft, überhaupt in der Lage, mit AI sinnvoll zusammenzuarbeiten? Denn AI braucht strukturierte Daten, offene APIs, versionierte Inhalte und klare Workflows. Drupal bringt all das mit. Das Bemerkenswerte daran: Diese Grundlagen haben schon lange vor der AI Ära existiert.

Was Drupal für AI-gestützte Websysteme konkret ermöglicht:

  • Zeitersparnis: Redaktionelle Routineaufgaben wie Übersetzungen, Alt-Texte oder Metadaten lassen sich AI-gestützt vorbereiten.
  • Kontrolle und Governance: Jede AI-Änderung durchläuft Freigabeprozesse und ist rückverfolgbar.
  • Zukunftssicherheit: Offene APIs und ein modularer Aufbau machen das System unabhängig von einzelnen AI-Anbietern.

“The Accidental AI Advantage”

Drupal-Gründer Dries Buytaert hat es in einem Blogpost im Juli 2025 und in Vorträgen auf Drupal-Veranstaltungen auf den Punkt gebracht: Die Architekturentscheidungen, die den Übergang zu Drupal 8 damals so komplex machten, sind heute genau das, was AI-Systeme brauchen. Buytaert nennt es “The Accidental AI Advantage”.

Fünf Entscheidungen sind dabei zentral:

  • Entity API: Inhalte werden als strukturierte Datenobjekte mit Feldern, Typen und Beziehungen modelliert. AI kann sie lesen, verstehen und gezielt bearbeiten.
  • REST / JSON:API / GraphQL: Jeder Inhalt oder jedes Entity ist über standardisierte Schnittstellen maschinenlesbar verfügbar. AI-Agenten können Drupals Struktur abfragen und darauf basierend handeln.
  • Granulares Revisioning: Jede Änderung ist nachverfolgbar und reversibel.
  • Configuration Management: Die gesamte Systemkonfiguration ist versionierbar. AI-Systeme können nicht nur Inhalte, sondern auch die Konfiguration inspizieren.
  • Workflows und Berechtigungen: AI-generierte Inhalte durchlaufen dieselben Freigabeprozesse wie manuell erstellte.

Buytaert sagt dazu (übersetzt):

“Damals haben wir nicht an KI gedacht, aber rückblickend haben wir genau die Art moderne, flexible Grundlage geschaffen, die eine tiefe KI-Integration ermöglicht.”

Was “AI ready” folglich bedeutet

Ein Beispiel: Sie möchten einen AI-Agenten einsetzen, der Marketingkampagnen über Ihr CMS, CRM und Ihre Analysetools hinweg koordiniert. Damit das funktioniert, muss die AI Ihr System verstehen: Welche Inhaltstypen gibt es? Wie hängen sie zusammen? Wer darf was bearbeiten?

Drupal stellt diese Informationen über seine Kern-APIs bereit. Die AI-Adoption unter Drupal-Organisationen hat sich seit 2024 verdreifacht. Drupal CMS wird heute mit 22 integrierten AI-Agenten ausgeliefert. Institutionen wie die Europäische Kommission und die Vereinten Nationen testen Drupals AI-Fähigkeiten aktiv.

Prototype fast, build systems that last

Dries Buytaert hat auf der DrupalCon Chicago 2026 eine zentrale Idee formuliert: “Use AI to prototype fast. Then use Drupal to build systems that last.”

AI kann innerhalb von Minuten promptgesteuert Prototypen für Websysteme entwerfen. Davon gibt es mittlerweile unzählige Tools. Als Beispiel wird gerne “Lovable” angeführt, das schon eine Weile am Markt ist und sich weiterentwickelt.
Aber Prototypen sind oft statische Artefakte. Der Übergang in ein redaktionierbares, wartbares, skalierbares System ist der eigentliche Knackpunkt.

Die Drupal AI Initiative entwickelt aktuell neue AI-Features, die dieses Ausgangsmaterial anschließend nutzen und vollautomatisch auf Drupal CMS aufsetzen. So wird ein Entwurf von einer statischen, schön anzusehenden Seite zu einem erweiterbaren, wartbaren, redaktionierbaren, skalierfähigen Produkt.

Das ist keine Zukunftsmusik. Mit Drupal Canvas gibt es seit Ende 2025 einen visuellen Site-Builder, der AI-gestützte Inhaltserstellung direkt integriert. Buytaert hat den ersten Prototypen von “Context Control Center” zuletzt auf der DrupalCon Chicago 2026 live demonstriert (s. Videoverlinkung).

Screenshot der Driesnote Chicago 2026: Use AI to Prototype fast / Then use Drupal to build systems that last

Quelle: Driesnote Chicago 2026 (Video)

Der entscheidende Punkt ist: AI kann schnell etwas aufbauen. Aber damit aus einem Prototyp eine langlebige und sichere Website wird, braucht es ein System, das Struktur, Governance und Qualitätssicherung mitbringt. Genau das ist Drupals Stärke. Die AI liefert den Entwurf. Drupal sorgt dafür, dass daraus etwas Tragfähiges entsteht.

Was wir bei erdfisch in der Praxis sehen

Wir arbeiten seit über 20 Jahren mit Drupal und setzen AI-Funktionen bereits in Kundenprojekten ein.

AI im redaktionellen Backend: Alt-Texte, Beschreibungen und Metadaten werden AI-gestützt vorgeneriert. Die Redaktion prüft, korrigiert bei Bedarf und gibt frei. Ergebnis: spürbar weniger Zeitaufwand bei Routineaufgaben.

Translation Management in 19 Sprachen: Für ein Multisite-Projekt generieren angebundene Translation-AIs automatisch Übersetzungsvorschläge. Menschliche Prüfung und Freigabe bleiben Pflicht. Ergebnis: konsistente Mehrsprachigkeit ohne manuellen Übersetzungsaufwand pro Inhalt.

Chatbot für eine Lernplattform: Für die Trainerakademie Köln haben wir ein fertiges Chatbot-Snippet in die bestehende Drupal-Plattform integriert. Der Bot beantwortet Lernenden Fragen auf Basis der vorhandenen Inhalte und Dateien. Ergebnis: schnellere Antworten, ohne zusätzlichen Redaktionsaufwand.

…und so vieles mehr.
Ob Sie die Tonalität von Texten anpassen wollen, automatische Zusammenfassungen oder Teasertexte generieren, Metadaten setzen lassen, ganze KI-Anwendungen einbinden wollen oder vektorbasierte intelligente Suchfunktionen integrieren – in Drupal ist dank strukturierter Daten nichts unmöglich.

Sie möchten Ihr Drupal-Projekt um AI-Features erweitern? Mehr zu unserem Vorgehen bei AI-Projekten erfahren Sie hier. ▸

Unsere Haltung: Anforderung vor Hype

Wir erleben diesen Wandel wie alle anderen. Was wir mitbringen, ist jahrzehntealtes Wissen über Websysteme und ein bedachter Umgang mit neuen Technologien.

Das Wichtigste kann gar nicht oft genug gesagt werden: Wir sind keine Fans von Webseiten mit unkuratierten, ungeprüften und qualitativ minderwertigen AI-Inhalten en masse. Zwar kann theoretisch ein Websystem geschaffen werden, das automatisiert viele Inhalte erstellt und veröffentlicht, aber das ist mitnichten die Intention der Drupal AI-Ausrichtung.

Drei Prinzipien leiten uns erdfische im AI-Bereich:

Anforderung vor Tool. Nicht: “Wir brauchen AI.” Sondern: “Unsere Redaktion verbringt 30 % ihrer Zeit mit Übersetzungsmanagement. Wie lösen wir das?” Wenn AI die Antwort ist, bauen wir sie ein.

Human in the Loop by Design. AI kann Alt-Texte vorschlagen, Übersetzungen vorbereiten oder Websysteme entwerfen. Ob das Ergebnis stimmt, entscheidet und bestätigt der Mensch. Und das idealerweise an jeder Stelle. Das stellt eine gleichbleibende Qualität sicher und verhindert Content-Wildwuchs, der keinen guten Ruf genießt und in seriösen Bereichen des Webs unerwünscht ist.

Betrieb und Wartbarkeit zählen. AI-generierter Code kann funktionieren. Er kann aber auch Fehler enthalten, die erst im Betrieb auffallen. Wir bewerten mit echtem Drupal-Wissen, ob das Ergebnis nutzbar, sicher und wartbar ist.

Für alle Weiterentwicklungen gelten wie immer unsere Standards für Qualität, Skalierfähigkeit und Datenschutz.

Wenn Sie gerade ein CMS evaluieren: vier Fragen

  1. Sind Inhalte strukturiert gespeichert, mit Feldern, Metadaten und Beziehungen?
  2. Gibt es Audit, Rollback und Freigabe als Standardprozess, auch für AI-generierte Inhalte?
  3. Ist das System API-first, und lassen sich AI-Anbieter austauschen, ohne in einen Lock-in zu geraten?
  4. Können AI-Aktionen begrenzt und kontrolliert werden, über Rollen, Regeln und Workflows?

Drupal erfüllt alle vier Kriterien. Als Teil der Kernarchitektur und ohne kostenpflichtige Add-ons.

Ausblick

Die Drupal-Community treibt das Thema AI koordiniert und mit Nachdruck voran. Anfang 2026 wurde die Drupal AI Roadmap veröffentlicht. 28 Organisationen treiben als “AI Makers” die Entwicklung gemeinsam voran. Die Richtung: Drupal entwickelt sich von einem Content-Management-System zu einer Plattform, die AI-gestützte Workflows orchestriert.

Dries Buytaert hat es auf der DrupalCon in Wien 2025 so formuliert: “AI is the storm, but AI is also the way through the storm.” Wir finden: Das trifft es ziemlich gut.

Fazit

Drupal ist gut aufgestellt für die AI-Ära, weil vor über einem Jahrzehnt Architekturentscheidungen getroffen wurden, die sich heute als genau richtig erweisen. Content und Konfiguration sind so strukturiert wie in nur wenigen vergleichbaren Systemen.

Für Organisationen, die ein Websystem suchen, das nicht nur heute funktioniert, sondern auch in einer AI-geprägten Zukunft tragfähig bleibt, ist Drupal eine Entscheidung, die sich lohnt.

Und wenn Sie wissen möchten, wie AI-Funktionen konkret in Ihrem Drupal-Projekt aussehen könnten: Sprechen Sie uns an. Wir schauen uns das gemeinsam an. Ganz ohne Hype, aber mit klarem Blick aufs Machbare.