Thema im Fokus: Drupal 7 auf Drupal 10 Migration

Alle Daten, alle Fakten, alle Termine zum End of Life von Drupal 7

Drupal Logos vor einem Meereshorizont
Drupal 7 vor Support-Ende - End of Life im November 2023

Über 12 Jahre wurde die populĂ€re Version 7 Drupals aktiv betreut und weiterentwickelt. Doch im November 2023 ist damit Schluss: Drupal 7 erreicht dann das Ende seines Lebenszyklus und erhĂ€lt keinen Support von der Drupal-Community mehr. Worauf Betreiber nun achten mĂŒssen.

2023 steuert Drupal 7 das letzte Mal auf den digitalen Schienen...

Alt, aber rĂŒstig: Drupal 7 ist auch heute noch das RĂŒckgrat zahlreicher Websites und Online-Applikationen. Es hat sich ĂŒber mehr als ein Jahrzehnt als zuverlĂ€ssiges und stabiles System bewĂ€hrt.

Doch wenn das Jahresende 2023 sich nĂ€hert, geht auch die Ära von Drupal 7 unweigerlich ihrem Ende entgegen. Das Erreichen des „End of Life“-Datums (EOL) zum 01. November 2023 bedeutet, dass Drupal 7 nach dieser Frist unsupported sein und es keine sicherheitskritischen Aktualisierungen fĂŒr diese Version mehr geben wird.

Betreiber von Drupal 7-Projekten mĂŒssen also handeln, wenn ihr Projekt auch nach dem Drupal 7 EOL zukunftssicher und solide bleiben soll.

Der vorliegende Artikel bietet einen gesamtheitlichen Überblick ĂŒber die Ausgangslage und erklĂ€rt außerdem, welcher Voraussetzungen es bedarf, um einen Wechsel von Drupal 7 auf Drupal 10 erfolgreich zu bestreiten.

Bald auf dem Abstellgleis ...

... was das Support-Ende im November 2023 fĂŒr Drupal 7 bedeutet

Mehr als ein Jahrzehnt war Drupal 7 ein stetiger und verlÀsslicher Begleiter in der modernen Netzwelt und wurde von der Community unter Aufsicht des Drupal Security-Teams verlÀsslich mit Aktualisierungen und Sicherheits-Updates versorgt.

Doch inzwischen sind die technischen Grundlagen, auf denen Drupal 7 einst entwickelt worden war, stark veraltet und folgen nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸen AnsĂ€tzen. Entsprechend still ist es schon in den vergangenen Jahren um die Weiterentwicklung des Systems geworden und der Fokus lag darauf, langfristig laufende Bestandsprojekte mit sicherheitskritischen Aktualisierungen zu versorgen.

Doch auch dieser Service endet bald. Nachdem das schon fĂŒr 2021 vorgesehene Support-Ende aufgrund der Corona-Pandemie und ihrer wirtschaftlichen Folgen erst auf 2022 und dann auf 2023 verschoben wurde, ist Ende dieses Jahres ziemlich sicher Schluss.

In der Folge ereilt Drupal 7 dann dasselbe Schicksal anderer abgekĂŒndigter Systemversionen:

  • etwaige neu entdeckte SicherheitslĂŒcken werden nicht mehr behoben
  • eine Anpassung auf neue Versionen z. B. von PHP erfolgt nicht mehr, was das Hosting mittelfristig problematisch und sicherheitstechnisch zusĂ€tzlich bedenklich machen wird
  • neue Technologien oder Schnittstellenkonzepte werden fĂŒr Drupal 7 nicht mehr adaptiert
  • es wird auf absehbare Zeit keine Dienstleister mehr geben, die die Betreuung eines Drupal 7-Projekt noch anbieten werden (von einigen wenigen spezialisierten und teuren Angeboten eventuell abgesehen)

Der Weiterbetrieb eines Drupal 7-Setups ist somit zwar grundsÀtzlich möglich. Er wird aber nach dem offiziellen Support-Ende zunehmend schwieriger und mit einem höheren Risiko verbunden sein.

Entsprechend wichtig wird fĂŒr die verbleibenden Betreiber von Drupal 7-Bestandsprojekten, PlĂ€ne fĂŒr die Ablösung ihres Drupal 7-Setups zu verfolgen.

Was unterscheidet Drupal 7 von spÀteren Versionen?

Wichtige Änderungen in der langfristigen Produktplanung Drupals seit Version 8

Der technologische Ansatz, den Drupal in frĂŒheren Versionen bis einschließlich der Version 7 verwendet hat, unterscheidet sich stark von den Entwicklungskonzepten, die seit der Version 8 Anwendung finden.

In der Vergangenheit war ein neues Major-Release Drupals in weiten Teilen ein kompletter „Rewrite“ des Systems. Neue Versionen Drupals waren somit kaum abwĂ€rtskompatibel zu Vorversionen. Daher war in der Regel ein Neu-Aufbau des Projekts einschließlich Datenmigration erforderlich, um auf eine neue Hauptversion Drupals zu kommen, was in vielen FĂ€llen dann zum Anlass genommen wurde, direkt einen Relaunch des Projekts durchzufĂŒhren.

Man kann sich das in etwa vorstellen wie eine einzelne Eisenbahnschiene. Bis einschließlich Drupal 7 war man mit der Schiene, auf der man sich mit seinem Projekt bewegt hatte, auf die Versionsnummer mehr oder weniger festgelegt. Gelangte man ans Ende des Gleises, ging es nicht mehr weiter, und es war notwendig, den Zug komplett auf ein neues Gleis zu setzen.

Verschiedene Drupal Versionen als Zugstrecke abgebildet

Der Umstand, mit jeder Hauptversion Drupals irgendwann „auf einem Abstellgleis zu landen“, war daher in der Vergangenheit auch einer der grĂ¶ĂŸten Kritikpunkte an diesem System.

Aus diesem Grund verfolgt Drupal seit der Version 8 einen fundamental anderen Ansatz: anstelle bei jeder Hauptversion einen großen Sprung mit einem faktischen Rewrite des Systems zu machen, der eine enorme Upgrade-Schwelle darstellt, finden jetzt in jedem Major-Release viele kleinere EntwicklungssprĂŒnge statt. Innerhalb dieser "Minor Releases" werden neue Funktionen mit in den Kern genommen, Technologien aktualisiert und Funktionen, die kĂŒnftig nicht mehr genutzt werden sollen, als veraltet („deprecated“) markiert.

Der Sprung vom letzten Release einer Hauptversion zum ersten Release der folgenden Hauptversion ist somit weitaus weniger komplex. Im Grunde wandelt sich Drupal also innerhalb einer bestehenden Hauptversion kontinuierlich zur danach sich anschließenden Hauptversion.

Um in der Analogie der Eisenbahnschienen zu bleiben: wĂ€hrend man bis Drupal 7 irgendwann an den Prellbock kam, bewegt man sich seit Drupal 8 auf einem durchgehenden Gleis fort, auf welchem die einzelnen Hauptversionen gewissermaßen die Bahnhöfe sind, die man mit seinem Projekt wĂ€hrend dessen Lebensdauer durchfahren kann.

Der Vorteil ist offensichtlich: insbesondere fĂŒr Enterprise-Projekte, die ein hohes Investment darstellen und auf lange Laufzeiten ausgelegt sind, bietet Drupal mit dieser Upgrade-Strategie langfristige Planungssicherheit und optimale Ausnutzung des finanziellen Investments.

Ich habe ein Drupal 7 Bestandsprojekt

Kann ich auf eine neue Version von Drupal upgraden?

Die Drupal-Release-Strategie

Mehr zu Begriffen wie Minor Release, Major Release oder Patch Release erfahren Sie hier.

Symbolbild fĂŒr Drupal Datenbanken

Soll ein Drupal 7-Projekt auf eine neuere Version Drupals umgestellt werden, ist eine Datenmigration erforderlich.

Wie aus der Analogie mit den Eisenbahngleisen deutlich wird, unterscheidet sich Drupal 7 grundlegend von seinen Nachfolgeversionen. Es existiert kein direkter Upgrade-Pfad, der es ermöglichen wĂŒrde, nahtlos auf die Nachfolgeversionen zu aktualisieren. Das ist auch mit der Grund, wieso der Support fĂŒr Drupal 7 so lange aufrechterhalten worden ist: um Betreibern von Drupal 7-Projekten genug Zeit zu geben, sich auf das absehbare Support-Ende einzustellen und den Umstieg zu planen und durchzufĂŒhren.

Soll also ein Drupal 7-Projekt auf eine Nachfolgeversion Drupals umgestellt werden, ist eine Migration erforderlich. In der Regel bedingt das einerseits den Neuaufbau der Business-Logik mit den Technologien des Zielsystems (also beispielsweise Drupal 10) sowie andererseits einer Daten-Migration von Inhalten und Nutzer-Accounts.

GlĂŒcklicherweise gibt es fĂŒr die Daten-Migration aber Hilfestellungen wie z. B. das Migrate-Modul, welches viele standardisierte Migrationsprozesse in aktuelle Drupal-Versionen - ĂŒbrigens auch von anderen Ausgangssystemen aus - automatisiert abbilden kann.

Welche Vorteile bietet Drupal 10 gegenĂŒber Drupal 7?

Was Sie bei einem Umstieg gewinnen werden.

1

Optimierte BedienoberflÀchen

Optimierte BedienoberflÀchen

Drupal war ĂŒber lange Jahre kein Musterbeispiel an ĂŒbersichtlicher und intuitiver User Experience. Es war damit Einsteiger-Systemen wie WordPress in dieser Disziplin unterlegen. Das hat sich inzwischen gewandelt: im Backend wartet Drupal mit dem vollstĂ€ndig neu entwickelten Administrations-Theme Claro auf. FĂŒr das Frontend gibt es seit Drupal 9 mit Olivero ebenfalls ein neues Default-Theme auf der Höhe der Zeit.

2

MĂ€chtiges WYSIWYG-Werkzeug

MĂ€chtiges WYSIWYG-Werkzeug

Drupal 10 hat das beliebte WYSIWYG-Tool CK-Editor in der Version 5 mit an Bord. Dieser Rich-Text Editor mit zahlreichen Integrationsmöglichkeiten ist prĂ€destiniert fĂŒr ĂŒbersichtliche und intuitive Content-Pflege. In einer (kostenpflichtigen) Premium-Version bietet CK-Editor sogar kollaboratives Editieren von Inhalten gleichzeitig durch mehrere User sowie bequeme Import- und Export-Features zu verbreiteten Dokumentenformaten wie Microsoft Word oder Adobe PDF.

3

Stark ausgeweiteter Funktionsumfang

Stark ausgeweiteter Funktionsumfang

Viele neue nĂŒtzliche Funktionen haben seit Drupal 7 den Weg in den Drupal-Kern gefunden. Außerdem sind die Module, die diese Funktionen bereitstellen, stetig weiterentwickelt und verbessert worden. So verfĂŒgt Drupal beispielsweise inzwischen "out of the box" ĂŒber eine mĂ€chtige Medienverwaltung, einen vielseitigen Layout-Builder und natĂŒrlich auch weiterhin ĂŒber das berĂŒhmte "Schweizer Taschenmesser" Drupals, das "Views"-Modul, ĂŒber das sich Content aus der Datenbank in nahezu beliebigen Formen und Kombinationen ausgeben lĂ€sst.

4

Vielseitige neue Module

Vielseitige neue Module

Eine der grĂ¶ĂŸten StĂ€rken Drupals ist seine Erweiterbarkeit durch Zusatzmodule. Mit Drupal 10 haben Sie Zugriff auf das ganze Potential, welches nach Drupal 7 vollstĂ€ndig ĂŒberarbeitete oder gĂ€nzlich neu hinzugekommene Module bieten.

5

Aktuelle Web-Technologien

Aktuelle Web-Technologien

Drupal 10 basiert auf dem erfolgreichen High Performance PHP Framework Symfony in der derzeit aktuellen Version 6. Es kann somit alle Vorteile von Symfony, wie beispielsweise das Twig-Template-System, Datenvalidierung, Ausfilterung von Schadcode aus Formularen oder Caching-Mechanismen nutzen.

6

UnterstĂŒtzung moderner Web-Infrastrukturen

UnterstĂŒtzung moderner Web-Infrastrukturen

Web-Projekte laufen heute in der Regel containerbasiert mit Hilfe von Tools wie Docker oder Kubernetes. Drupal 10 ist fĂŒr einen solchen containerbasierten Betrieb perfekt ausgelegt und wird von den entsprechenden Plattformen unterstĂŒtzt.

7

Hohe Geschwindigkeit durch intelligente Caching-Mechanismen

Hohe Geschwindigkeit durch intelligente Caching-Mechanismen

Drupal 10 verfĂŒgt ĂŒber hoch entwickelte Caching-Mechanismen. Dadurch ist das System bei richtiger Konfiguration deutlich performanter als Drupal 7, obwohl es einen erheblich grĂ¶ĂŸeren Funktionsumfang besitzt.

8

Langfristige Planungssicherheit

Langfristige Planungssicherheit

Drupal 10 wird nach der selben evolutionĂ€ren Strategie entwickelt wie seine beiden Vorversionen. RegelmĂ€ĂŸige Wartung und Pflege vorausgesetzt, werden Sie also auch ohne grĂ¶ĂŸere Schwierigkeiten auf Drupal 11 upgraden können, und sichern so langfristig das Investment in Ihr Web-Projekt.

9

Security-Support

Security-Support

Drupal 10 wird noch lange aktiv supported, und die jeweils aktuellen beiden Minor-Releases werden regelmĂ€ĂŸig mit Sicherheits-Updates versorgt.

Übernimmt erdfisch bestehende Drupal 7 Projekte?

Kann ich mein bestehendes Drupal 7-Projekt von erdfisch betreuen lassen?

Die Übernahme der dauerhaften Betreuung eines Drupal 7-Bestandsprojekts bietet die Drupal-Agentur erdfisch, wie auch viele andere Dienstleister, aufgrund der kurzen noch verbleibenden Lebensspanne von Drupal 7 nicht mehr an.

Die einzige Ausnahme ist, wenn im Zuge der Übernahme gleichzeitig eine Umstellung des Projekts auf Drupal 10 vertraglich fest vereinbart wird. In einem solchen Fall kann ĂŒbergangsweise eine Betreuung des Drupal 7 Bestandsprojekts durch erdfisch noch erfolgen.

Wir verfĂŒgen nach wie vor ĂŒber fundierte Entwickler-Skills fĂŒr die Version 7 Drupals und nutzen diese FĂ€higkeiten auch, um die Transformation eines Drupal 7 Bestandsprojekts nach Drupal 10 effizient und kostenbewusst durchzufĂŒhren.

Migration von Drupal 7 zu Drupal 10

Der konkrete Projektablauf kurz zusammengefasst

Schematische Darstellung der Migration eines Drupal 7 Projekts nach Drupal 10

FAQ

HĂ€ufig gestellte Fragen

Drupal 8, Drupal 9, Drupal 10... auf welche Version sollte man migrieren?

Am einfachsten ist hier die Frage zu beantworten, wohin man keinesfalls mehr migrieren sollte: und zwar auf die Version Drupal 8. Denn diese Version ist bereits seit dem 2. November 2021 End Of Life, wird nicht mehr weiterentwickelt und erhÀlt keine Sicherheitsaktualisierungen mehr.

Sofern Sie also noch zu denjenigen gehören, die ein Drupal 8-Projekt betreiben, gilt: eine Aktualisierung muss so schnell wie möglich durchgefĂŒhrt werden, um wieder auf der sicheren Seite zu sein.

Etwas differenzierter stellt sich aktuell noch die Lage bei Drupal 9 dar: dieses wird noch bis November 2023 supported, und unter UmstĂ€nden benötigen Sie fĂŒr Ihr Projekt ein Modul, welches noch nicht fĂŒr Drupal 10 aktualisiert wurde. In diesem Fall kann es Sinn machen, zuerst das Upgrade auf Drupal 9 zu fahren und dann einige Zeit spĂ€ter auf Drupal 9 zu upgraden.

Je nĂ€her das Support-Ende von Drupal 9 aber rĂŒckt, desto weniger sinnvoll ist diese Option. SpĂ€testens ab Sommer 2023 lĂ€sst sich klar sagen: eine Migration sollte in jedem Fall nur direkt auf Drupal 10 erfolgen.

Wenn ich Drupal 7 ersetzen muss, warum dann nicht ein anderes CMS wÀhlen?

SelbstverstĂ€ndlich ist es eine valide Option, auch "ĂŒber den Tellerrand" zu schauen und ggf. andere Content-Management-System zu evaluieren, wenn es darum geht, ein Drupal 7-Projekt zu ersetzen.

Oft dĂŒrfte aber die Entscheidung, auf Drupal zu setzen, sehr bewusst gefĂ€llt worden sein, da Drupal nicht nur ein Content-Management-System ist, sondern eben ein Web-Applikation-Framework. Als solches lĂ€sst es sich als Fundament fĂŒr sehr komplexe und anspruchsvolle Systeme verwenden - ein Usecase, der so nicht unbedingt auch bei anderen verbreiteten CMS vorgesehen ist.

Zudem sind viele logische Konzepte und Prinzipien auch in den Folgeversionen Drupals die gleichen geblieben. Wer also mit Drupal 7 vertraut ist, findet sich nach ein wenig Einarbeitung auch in Drupal 10 zurecht.

Wird der Drupal 7-Support vielleicht doch noch einmal verlÀngert?

Das ist tatsĂ€chlich nicht völlig auszuschließen. In ihrem Security Advisory vom 23. Februar 2022 schrieb das Drupal Security Team:

We will announce by July 2023 whether we will extend Drupal 7 community support an additional year. Factors that we will consider are community support, Drupal 7 usage, and active Drupal 7 maintainers.

Mit anderen Worten: die fĂŒr Sommer 2023 angekĂŒndigte Entscheidung, ob der Support vielleicht doch noch einmal erweitert wird, hĂ€ngt davon ab,

  • ob sich genĂŒgend UnterstĂŒtzer und Modul-Maintainer in der Community finden, die bereit wĂ€ren, eine nochmalige Support-VerlĂ€ngerung fĂŒr Drupal 7 mitzutragen
  • und ob die Verwendungszahlen von Drupal 7 weiterhin auf dem aktuell hohen Niveau verbleiben

Aber selbst wenn es einen nochmaligen Aufschub geben sollte: mittelfristig wird der Support fĂŒr Drupal 7 enden, und Betreiber aktuell laufender D7-Setups mĂŒssen sich darauf einstellen.

Drupal 7 Contrib-Module, die ich nutze, gibt es nicht mehr. Was nun?

"There is a module for that" ist seit langem eine Art inoffizieller Claim von Drupal. Contrib-Module stellen ein bestimmtes Set von Funktionen bereit, die den Drupal-Kern ergÀnzen. Manche Contrib-Module bauen sogar auf anderen Contrib-Modulen auf und potenzieren somit die Erweiterungsmöglichkeiten Drupals.

FĂŒr Drupal 7 gilt dieser Claim in erheblich grĂ¶ĂŸerem Maße als inzwischen fĂŒr Drupal 10. Denn die neueren Versionen Drupals haben viele Funktionen, die frĂŒher nur mittels Contrib-Modulen verfĂŒgbar waren, in den Drupal-Kern ĂŒbernommen. Andere Module sind obsolet geworden, weil sich die gebotene FunktionalitĂ€t heute ĂŒber Sitebuilding oder Konfigurationsmöglichkeiten in Drupal abbilden lĂ€sst.

Trotzdem kann es natĂŒrlich passieren, dass es fĂŒr ein bestimmtes Feature-Set eines bisherigen Drupal 7-Moduls noch keine adĂ€quate Ensprechung als Drupal 9 oder 10-Modul gibt und somit ein Rewrite oder eine Portierung des Moduls notwendig wird.

Aber auch hier wird man von der Community nicht alleine gelassen. Neben umfangreichen Informationen, wie Module fĂŒr Drupal seit Version 8 umgesetzt werden mĂŒssen, gibt es sogar ein Modul, das bei Modul-Upgrades helfen soll.

Zudem haben spezialisierte Dienstleister wie die Drupal-Agentur erdfisch natĂŒrlich auch das dedizierte Portieren von Modulen im Portfolio.

Was passiert, wenn ich selbst entwickelte Drupal 7-Module habe?

Die Handhabung von eigenen Modulen - so genannte "Custom Modules" - unterscheidet sich grundsÀtzlich nicht von veröffentlichten Contrib-Modulen.

Bei einer Migration eines Drupal 7-Projekts nach Drupal 10 wird die Business-Logik, die das fragliche Custom-Modul bereitstellt, analyisiert. Im Rahmen der technischen Konzeption wird dann entschieden, ob die FunktionalitĂ€t durch die grĂ¶ĂŸeren Möglichkeiten der neuen Drupal-Version auf anderem Wege bereit gestellt werden kann, oder ob ein Custom-Modul weiterhin die beste Option darstellt. Im letzteren Fall wird das Custom-Modul fĂŒr die Verwendung mit Drupal 10 portiert.

Muss ich migrieren, wenn mein Drupal 7-System nicht öffentlich zugÀnglich ist?

Die Frage lĂ€sst sich pauschal nicht beantworten. Es gibt in der Tat Drupal-Systeme, die von außen nicht zugĂ€nglich sind. Das kann beispielsweise ein Firmen-Intranet sein, welches nur von Computern innerhalb eines bestimmten IP-Clusters aufgerufen werden kann oder nur erreichbar ist, wenn man sich in einem speziellen VPN-Netzwerk befindet.

Da diese Systeme nicht öffentlich sind, fallen somit die meisten typischen Angriffsvektoren weg, ĂŒber die eine potentielle Kompromittierung möglich wĂ€re. Entsprechend geringer kann hier im Hinblick auf Sicherheitsaspekte die Notwendigkeit sein, Drupal 7 nach dessen Support-Ende abzulösen.

Es bleiben aber natĂŒrlich trotzdem Argumente, die auch in diesem Fall fĂŒr eine Migration sprechen, wie z.B.

  • dass es zunehmend schwieriger wird, Dienstleister fĂŒr die Betreuung des veraltenden Systems zu finden oder
  • dass neue Technologien nicht unterstĂŒtzt werden und somit eine Weiterentwicklung des Systems langfristig nicht mehr möglich ist
     

FĂŒr den sehr speziellen Fall, dass ein D7-Setup

  • weder von außen zugĂ€nglich ist
  • noch in irgend einer Form Weiterentwicklung oder nennenswerten Support bedarf

ist die Notwendigkeit fĂŒr eine Migration aber tatsĂ€chlich auch nach dem Support-Ende von Drupal 7 als relativ gering einzustufen.

Mit welchen Kosten muss ich bei einer Migration rechnen?

Eine pauschale Antwort auf die Frage, welche Kosten bei einer Migration von Drupal 7 nach 10 anfallen können, gibt es leider nicht.

Zuviel hÀngt hier von der individuellen KomplexitÀt des betroffenen Projektes ab und von Fragen wie:

  • wie umfangreich und komplex ist das aktuell vorhandene Datenmodell?
  • wie wurde die vorhandene Business-Logik abgebildet? Gibt es z.B. viel Individual-Entwicklung im Projekt?
  • sollen Datenmodell und Business-Logik im neuen System exakt gleich bleiben, oder wird die Gelegenheit genutzt, diese Projekteigenschaften einer grundlegenden Revision zu unterziehen und ggf. neue Funktionen zu planen oder veraltete zu entfernen?
  • soll der vorhandene Datenbestand komplett migriert werden, oder gibt es im abzulösenden System auch Daten, die kĂŒnftig nicht mehr gebraucht werden?
  • mĂŒssen auch Schnittstellen oder Drittanwendungen, die mit dem Bestandssystem interagieren, betrachtet und ggf. ĂŒberarbeitet werden?

Daher mĂŒssen Projekte, die fĂŒr eine Migration nach Drupal 10 vorgesehen sind, im Vorfeld auch immer einer eingehenden Bestandsaufnahme unterzogen und die vorhandenen technischen Konzepte analysiert werden. Nur auf diesem Wege können belastbare AufwĂ€nde ermittelt werden, und nicht nur willkĂŒrlich geratene Zahlen prĂ€sentiert.

Welche Alternativen habe ich zu einer Migration?

Das kommt darauf an, welche Art von Web-Projekt Sie betreiben. Hier ein paar mögliche Szenarien:

  1. Es gibt keinen authentifizierten Traffic auf Ihrer Seite
    Wenn Sie lediglich Informationen auf Ihrer Drupal 7-Webseite anbieten und es keine Möglichkeit zur Nutzerinteraktion gibt oder sich die Nutzer nicht auf Ihrer Webseite anmelden können, können Sie einen so genannten Static Site Generator einsetzen. Dabei handelt es sich um Dienste, die aus den Seiten, die normalerweise das CMS anhand der Inhalte aus der Datenbank und dem Theming der BenutzeroberflĂ€che ausspielt, einfache HTML-Seiten generieren. Die Bezeichnung "statisch" rĂŒhrt daher, dass diese Seiten dann unverĂ€nderlich sind.
    Das veraltete Drupal selbst kann dann von außen unzugĂ€nglich gemacht werden, wĂ€hrend die von außen erreichbaren "statischen Seiten" keine Angriffsmöglichkeiten fĂŒr Dritte mehr bieten. Ein ensprechendes Modul hierfĂŒr wird auf drupal.org angeboten.
  2. Die Webseite erfÀhrt keine Aktualisierungen mehr
    Auch in diesem Fall können Sie die komplette Seite ĂŒber einen Static-Site-Generator zu einem Zeitpunkt X "crawlen" lassen und das daraus resultierende Archiv als statische Seiten bewahren.
  3. Auf der Webseite gibt es authentifizierten Traffic
    HĂ€ufige Szenarien sind ein Online Shop, eine Community oder ein Intranet. In diesem Fall ist Drupal 7 immer involviert in die Content-Auslieferung bzw. die Entgegennahme von Content, da die Nutzer mit dem System interagieren können mĂŒssen.
    Falls die Personengruppe stark eingegrenzt ist wie z.B. bei einem Firmen-Intranet, besteht die Möglichkeit, das Risiko dadurch zu reduzieren, dass das System von außen unzugĂ€nglich gemacht wird - etwa, indem es nur ĂŒber bestimmte freigegebene IP-Adressen oder ein VPN zugĂ€nglich gemacht wird.
    Online-Shops oder öffentliche Communities, die vom freien Zugang zum System leben, haben diese Option selbstverstÀndlich nicht. Hier haben die Betreiber letztlich nur die Wahl zwischen 2 Optionen:
    a) die Einstellung des Angebots
    b) oder eine Migration auf Drupal 10 oder ein anderes System

Fazit

Das Wichtigste kurz zusammengefasst

Es verbleibt nicht mehr viel Zeit, bis der Support fĂŒr Drupal 7 eingestellt wird. Jedoch lag der Prozentanteil von Drupal 7 an der Gesamtheit aller aktiven Drupal-Installationen im April vergangenen Jahres noch immer bei ĂŒber 50%.

Entsprechend knapp dĂŒrfte es fĂŒr viele Betreiber von Drupal 7-Projekten werden, denn die Umstellung auf ein neues Setup ist je nach KomplexitĂ€t des Systems mit erheblichen AufwĂ€nden verbunden.

Zudem sind die KapazitÀten spezialisierter Anbieter begrenzt und schon jetzt stark nachgefragt.

Wer also ein Drupal 7-Projekt betreibt und noch nicht in die Planungen eingestiegen ist, dieses abzulösen, sollte damit rasch beginnen.

Welches spannende Projekt dĂŒrfen wir fĂŒr Sie umsetzen? Schreiben Sie uns oder rufen Sie uns unter +49 6221 7515600 fĂŒr ein unverbindliches und kostenfreies ErstgesprĂ€ch an.

Profilfoto Frank Holldorf

Frank Holldorff

People & Culture | Business Development | Marketing | GeschĂ€ftsfĂŒhrer