Ein Bundesprogramm vernetzt sich
Modellprojekte
Kommunen
öffentliche Maßnahmen
Splash Award Nominee
Das Wichtigste in Kürze
Projekt-Steckbrief
- Kunde und Branche: DLR Projektträger, im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), öffentlicher Sektor
- Ausgangslage: getrennte Wissens- und Vernetzungsangebote, ein Altsystem und komplexe Community-Anforderungen
- Umfang und Zeitraum: mehrjähriges Vorhaben, seit November 2022, stufenweise ausgerollt
- Tech-Kern: Drupal 11, gruppen-zentrierte Architektur (Group-Relations), integriertes CRM, Layout Builder, Single Directory Components mit Storybook; barrierefrei mit Leichter Sprache, Gebärdensprache und englischer Version
- Die eine Zahl: 73 Modellprojekte aus 90 Kommunen auf einer Plattform
- Auszeichnung: Splash Award 2024, Kategorie Regierung, Nominee
Besonderheit: in einem Folgeprojekt wurden zentrale Funktionen zum quelloffenen Drupal-Installationsprofil OGCB abstrahiert
Entscheidungsgrund in drei Zeilen
- Souveränität: eine quelloffene Plattform in eigener Hand statt proprietärer Community-Tools mit Datenabfluss und Lizenzkosten.
- Ein System: interne Vernetzung und öffentliche Wissensbasis aus einer Plattform, statt getrennte Tools zu pflegen.
- Nachnutzbarkeit: das Erfolgskonzept wurde in ein quelloffenes Nachnutzungsprojekt überführt, so dass andere Kommunen und Einrichtungen den Ansatz übernehmen können.
Der "Knoten"
Vor dieser Herausforderung standen wir
Ein Bundesprogramm mit 73 Modellprojekten in 90 Kommunen lebt vom Austausch. Die teilnehmenden Akteurinnen und Akteure sollen sich vernetzen, Forschungsergebnisse und Fragestellungen teilen und eine gemeinsame Wissensbasis aufbauen, die perspektivisch auch der Öffentlichkeit zugänglich ist. Dafür lagen zu Beginn getrennte Angebote vor, eine bestehende Wissensplattform und der Wunsch nach einer Vernetzungsplattform, die zusammengeführt werden mussten, samt Import der Bestandsinhalte aus einem Altsystem.
Der Anspruch ging weit über ein klassisches CMS hinaus. Es brauchte offene und geschlossene Arbeitsräume, dazu organisatorische Gruppen, die in den Übersichten gar nicht auftauchen. Teilnehmende auf Seiten kooperierender Kommunen mussten zusammengebracht werden. Mehrere sehr verschiedene Stakeholder waren für Teilbereiche zuständig, und ein CRM zur Kontaktpflege sollte integriert sein. Kurz: gefragt war zugleich ein CMS, ein CRM und ein soziales Netzwerk.
Der Knoten auf den Punkt
- Dominanter Engpass: Interne Vernetzung, öffentliche Wissensbasis und Kontaktpflege für viele sehr unterschiedliche Gruppen und Stakeholder mussten in einem souveränen System zusammenkommen.
- Ursachen:
- Getrennte Wissens- und Vernetzungsangebote plus Altsystem-Import
- Sehr heterogene Gruppenlogiken (offen, geschlossen, organisatorisch, kommunenübergreifend)
- Mehrere gleichberechtigte Stakeholder mit unterschiedlichen Anforderungen und Layouts
- Naheliegend, aber zu eng: Ein Standardprodukt wie OpenSocial wurde geprüft, erwies sich für den intensiven Gruppeneinsatz über so verschiedene Bereiche aber als zu unflexibel.
Der Plan
So sind wir die Herausforderung angegangen
Alles ist eine Gruppe.
Recht früh fiel die architektonische Grundentscheidung, konsequent auf Gruppen zu bauen: Nie werden Inhalte direkt als Nodes gerendert, sondern immer über Group-Relations. Jeder Bereich der Plattform, ob Website, CRM oder Arbeitsraum, ist eine Gruppe. Das klingt radikal, ist aber der Schlüssel dazu, dieselben Inhalte in verschiedenen Kontexten redundanzfrei zu verwenden und ein feingliedriges Rechte- und Rollensystem mit hoher Selbstverwaltung abzubilden.
Nachnutzbarkeit von Anfang an.
Bemerkenswert ist, dass der Projektträger das Thema Nachnutzbarkeit früh selbst einbrachte. Deshalb haben wir alle Konzepte möglichst generisch angelegt und mehrere Module von vornherein für eine breite Nutzung entwickelt. Dieser Zuschnitt zahlte sich später aus: Er machte es möglich, zentrale Funktionen in einem eigenen Folgeprojekt zu einem frei verfügbaren Drupal-Installationsprofil zu abstrahieren. Wie daraus der Open Government Community Builder wurde, steht weiter unten unter „Zurück in den Topf".
Ein Frontend auf dem kommenden Standard.
Für die Oberfläche fiel die Wahl früh auf komponentenbasierte Entwicklung nach Atomic-Design-Prinzipien, konkret auf den Vorläufer der Single Directory Components. Das war eine Wette auf die Zukunft, die aufging, denn dieser Ansatz wanderte kurz darauf in den Drupal-Core.
Schritt für Schritt entwirrt
Ausgewählte Lösungsansätze
Die gruppen-zentrierte Architektur.
Weil jeder Bereich eine Gruppe ist und Inhalte über Group-Relations laufen, lassen sich Datenmodelle flexibel wiederverwenden. Eine Gruppe kann sogar Inhalte einbinden, über die sie keine Hoheit hat, aber auf die sie verweisen möchte. Für die unterschiedlichen Gruppenlogiken, also Zugriff, Rendering und Workflows, haben wir eigene Plugin-Systeme entwickelt. So bleibt das System trotz hoher Komplexität wartbar, und neue Anforderungen lassen sich fein umsetzen, ohne überall Weichen einzubauen.
Wissen und Vernetzung in einem.
mit der Vernetzungsplattform zusammengeführt und der Bestand aus dem Altsystem importiert. Öffentlich sind heute 568 Maßnahmen in unterschiedlichsten Handlungsfeldern beschrieben, granular filterbar und auf einer Vergleichsliste zusammenstellbar. Eingeloggte Nutzerinnen und Nutzer finden in ihren Arbeitsräumen Dokumente und Studien, Termine, teilen Neuigkeiten, diskutieren, finden Kooperationspartner und pflegen Kontakte über das integrierte CRM.
Diskussionen, die man versteht.
Für die Kommentar-Threads haben wir sowohl visuell (mit Pfadlinien, die zeigen, wer auf wen antwortet) als auch technisch nachgeschärft, unter anderem so, dass beim Absenden eines Kommentars nur der Formularbereich neu lädt und nicht die ganze Seite. Die dafür nötigen Verbesserungen sind teils als Patches zurückgeflossen.
Flexible Layouts für viele Stakeholder.
Damit sehr verschiedene Stakeholder eigene, anpassbare Layouts bekommen, haben wir ein System aus Layout-Builder-Blöcken und Komponenten gebaut, das dynamische und statische Seiten mit globalem oder Gruppen-Kontext bestückt. Für die redaktionelle Alltagsarbeit bleiben Paragraphs erhalten, damit niemand überfordert wird, während die Chefredaktion Layouts frei überschreiben kann. Beide Konzepte greifen wie Puzzlestücke ineinander.
Barrierefreiheit als Teil des Angebots.
Die Plattform steht öffentlich in Leichter Sprache, in Gebärdensprache und in einer englischen Version bereit. Barrierefreiheit ist damit nicht Nacharbeit, sondern Teil des Auftrags einer Bundesplattform.
Schulter an Schulter
Das Projekt wird in einem hybriden Team umgesetzt, mit Entwicklung auch auf Kundenseite. Was anderswo als Reibungsquelle gilt, ist hier ein Vorteil, weil erdfisch aus vielen Jahren Community-Arbeit genau diese Zusammenarbeit gewohnt ist. Je ein Solution Architect beider Teams erarbeitet die Anforderungen gemeinsam mit den Stakeholdern und koordiniert die Umsetzung in beiden Teams. Weil an einem so vielschichtigen Vorhaben viele Stakeholder aus ganz unterschiedlichen Organisationen beteiligt sind, hat erdfisch zudem von Anfang an die technische Koordination dieser Stakeholder mit übernommen, statt zwischen kollidierenden Anforderungen zerrieben zu werden.
Qualität, schwarz auf weiß
Qualität ist hier an zwei Stellen verankert. Zum einen im Frontend: Die Designkomponenten sind als Single Directory Components inklusive Storybook angelegt und folgen dem Atomic-Design-Ansatz, sodass sich Bausteine sauber wiederverwenden und für weitere Ausbaustufen remixen lassen. Zum anderen in der Barrierefreiheit: Die öffentliche Plattform bietet Leichte Sprache, Gebärdensprache und eine englische Version. Im später abgeleiteten Installationsprofil OGCB ist Barrierefreiheit zusätzlich fest verankert, weil dessen Frontend auf Kern UX aufsetzt, dem offiziellen UX-Standard für deutsche Verwaltungen, dessen Basis mindestens das AA-Level nach BITV 2.0 erfüllt.
"Zurück in den Topf"
Hoher potentieller Nachnutzungswert
Die Smart-Cities-Plattform ist maßgeschneidert gebaut, und aus ihr ist der Open Government Community Builder hervorgegangen. In einem eigenen Folgeprojekt haben wir zentrale Funktionen aus dem Projekt abstrahiert und der Allgemeinheit als frei verfügbares Drupal-Installationsprofil bereitgestellt. OGCB macht aus einer Standard-Drupal-Installation eine einsatzfertige Community-, Wissens- und Beteiligungsplattform für Kommunen und öffentliche Einrichtungen, mit autonom arbeitenden Gruppen, gezielt steuerbarer Sichtbarkeit von intern bis öffentlich und Barrierefreiheit ab Werk. OGCB ist vollständig Open Source, lizenzkostenfrei und über openCode sowie drupal.org verfügbar. Stärker lässt sich das Prinzip Public Money, Public Code kaum belegen: Aus einem mit öffentlichen Mitteln geförderten Projekt ist ein wiederverwendbares, quelloffenes Produkt für alle geworden.
Was am Ende zählt
Outcome für das Programm
- Die asynchrone Zusammenarbeit findet tatsächlich statt: Die Plattform wird genutzt, Modellprojekte finden Kooperationspartner bei anderen Modellkommunen und teilen Ergebnisse und Fragestellungen.
- Die Öffentlichkeit kann sich informieren: 568 Maßnahmen sind öffentlich beschrieben, granular filterbar und vergleichbar.
Was das Programm jetzt regelmäßig kann
- Gruppen und Arbeitsräume mit hoher Selbstverwaltung betreiben, öffentlich oder intern, ohne dass die Betreiber bei jedem Schritt eingreifen müssen.
- Interne Zusammenarbeit und öffentliche Kommunikation aus einer souveränen Plattform steuern, samt integriertem CRM.
Warum das technisch möglich wurde
- Eine gruppen-zentrierte Architektur mit eigenen Plugin-Systemen für Zugriff, Rendering und Workflows.
- Ein komponentenbasiertes Frontend, das vollständig mit Drupal-Core-Mitteln rendert.
Bleibende Wirkung
- Beiträge sind in den Drupal-Core geflossen, und in einem Folgeprojekt ist mit OGCB ein frei verfügbares, quelloffenes Drupal-Installationsprofil für den öffentlichen Sektor entstanden.
- Für dieses Vorhaben war erdfisch bei den Splash Awards 2025 in der Kategorie Regierung nominiert.
Zusammengefasst: das Projekt auf einen Blick
Zahlen und Fakten
- Kunde: DLR Projektträger, im Auftrag des BMWSB
- Branche: öffentlicher Sektor, Bundesprogramm
- Aufgabe: Aufbau einer Wissens- und Vernetzungsplattform für die Modellprojekte Smart Cities
- Reichweite: 73 Modellprojekte aus 90 Städten und Kommunen
- Öffentliche Wissensbasis: 568 Maßnahmen, granular filterbar, mit Vergleichsliste
- Zeitraum: seit November 2022, mehrjährig, stufenweise ausgerollt
- Auszeichnung: Splash Award 2025, Kategorie Regierung, Nominee
Technischer Rahmen
- CMS: Drupal 11
- Architektur: gruppen-zentriert (alles über Group-Relations), eigene Plugin-Systeme für Access, Rendering und Workflows
- Funktionen: Arbeitsräume (offen, geschlossen, organisatorisch), integriertes CRM, Diskussionen mit threaded Comments, Veranstaltungen mit ICS-Export, News und Stories, Publikationen
- Redaktion: Layout Builder und Komponenten, Paragraphs für die Alltagsredaktion, überschreibbare Layouts für die Chefredaktion
- Frontend: Single Directory Components mit Storybook, Atomic Design, rendert mit Drupal-Core-Mitteln
- Barrierefreiheit: Leichte Sprache, Gebärdensprache, englische Version
- Community: Beiträge in den Drupal-Core; Folgeprojekt: quelloffenes Drupal-Installationsprofil OGCB (openCode, drupal.org)
Häufige Fragen
Für wen wurde die Plattform umgesetzt?
Für den DLR Projektträger, im Auftrag des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, für die 73 Modellprojekte Smart Cities.
Was kann die Plattform?
Sie ist CMS, CRM und soziales Netzwerk in einem: eine öffentliche Wissensbasis mit 568 filterbaren Maßnahmen und zugleich eine interne Vernetzungsplattform mit Arbeitsräumen, Diskussionen, Kontaktpflege und Terminen.
Warum nicht ein Standardprodukt wie OpenSocial?
Die Anforderungen an die Gruppenlogiken waren zu vielfältig. Deshalb wurde eine neue, aber ebenfalls gruppen-zentrierte Architektur gebaut, in der jeder Bereich eine Gruppe ist und Inhalte über Group-Relations redundanzfrei wiederverwendbar sind.
Was ist aus dem Projekt für die Allgemeinheit entstanden?
Zweierlei. Erstens sind während des Projekts Beiträge in den Drupal-Core geflossen. Zweitens haben wir in einem eigenen Folgeprojekt zentrale Funktionen abstrahiert und als frei verfügbares Drupal-Installationsprofil bereitgestellt: den Open Government Community Builder (OGCB). OGCB ist damit aus der Smart-Cities-Plattform hervorgegangen, die selbst maßgeschneidert gebaut ist.
Ist die Plattform barrierefrei?
Die Plattform steht öffentlich in Leichter Sprache, in Gebärdensprache und in einer englischen Version bereit. Für eine Bundesplattform gehört das zum Auftrag und stand deshalb von Beginn an im Scope, statt am Ende nachgezogen zu werden.
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