AI und Vibe Coding: Abstrakte Darstellung eines Laptops mit schwebenden Programmierfenstern und magischen Schleiern.

Vibe-Coding-Wettbewerb gewonnen: Was Dominiks Browser-Spiel über KI-Prototypen zeigt

Drei erdfische waren dieses Jahr auf dem DrupalCamp Belgien in Kortrijk. In einem Zwei-Stunden-Wettbewerb entstand ein Browser-Spiel, das ganz bewusst ohne laufende Tokenkosten funktioniert. Wir erklären, was daran technisch interessant ist und wie wir auf den Trendbegriff "Vibe Coding" blicken.

Inhaltsverzeichnis

Drei erdfische, ein Wettbewerb, zwei Stunden Zeit

Dieses Jahr waren wir erdfische mit drei Leuten auf dem belgischen DrupalCamp in Kortrijk, Belgien vertreten. Neben den üblichen Sessions zu Drupal und dem Ökosystem drumherum gab es dort in diesem Jahr auch eine Vibe Coding Competition hier im Sessionplan einsehbar.

Vibe Coding bezeichnet den Ansatz, eine Anwendung per KI mit natürlicher Sprache zu beschreiben und ein KI-Modell den Code dazu schreiben zu lassen, statt jede Zeile selbst zu tippen.

Die Aufgabe in Kortrijk: zwei Stunden Zeit, um auf diesem Weg eine funktionierende Anwendung zu bauen.

Unser Kollege Dominik hat daran teilgenommen und den Wettbewerb auch prompt (pun absolutely intended) gewonnen. Das Teilnahmefeld war äußerst überschaubar, Silber ging trotzdem weg, es gab also immerhin einen zweiten Teilnehmer. Interessanter als die Platzierung selbst ist für uns, was Dominik in der Zeitbox gebaut hat und welche Entscheidung dabei den Unterschied gemacht hat.

Ein Spiel, bei dem Sie den System-Prompt erraten müssen

Das Ergebnis ist ein kleines Browser-Spiel: Sie chatten mit einem Bot und versuchen herauszufinden, welche Grundanweisung sein Verhalten steuert. Diese Anweisung, der System-Prompt, könnte zum Beispiel lauten: „Du sprichst wie ein Pirat." Der Bot verhält sich entsprechend, ohne die Anweisung direkt zu verraten, und Sie nähern sich der Lösung über gezielte Fragen.

Screenshot: Chatfenster nach erfolgreichem "Guess the Prompt" Spiel, ein AI Vibe Coding Proof of Concept vom belgischen DrupalCamp 2026.

Das Spielprinzip ist einfach zu verstehen und macht dabei etwas sichtbar, das sonst im Hintergrund bleibt: wie stark ein System-Prompt die Antworten eines Chatbots formt.

System-Prompt

Ein System-Prompt ist die Anweisung, die einem Sprachmodell vor dem eigentlichen Gespräch mitgegeben wird und sein Verhalten prägt, etwa Tonfall, Rolle oder Einschränkungen. Nutzer:innen sehen diese Anweisung normalerweise nicht, sie bestimmt aber, wie das Modell auf jede Eingabe reagiert.

Info zum Browser-Spiel

Leider ist das Spiel momentan nicht in einer funktionstüchtigen, spielbaren Version gehosted. Es war nur ein – nach 2 Stunden natürlich recht unpolierter – "proof of concept" und noch nicht bereit für öffentliche Erreichbarkeit. Daher können wir keinen Direktlink zum Ausprobieren anbieten.

Die Entscheidung, die den Unterschied macht

Beim Bauen hat Dominik Claude Code eingesetzt, um das Spiel innerhalb der zwei Stunden zu vibe-coden. Das war das einzige dafür nötige Werkzeug.

Interessanter ist eine andere Entscheidung: Das Spiel selbst nutzt zur Laufzeit kein Modell über eine kostenpflichtige API, bei der jede Chat-Runde Tokens verbraucht. Stattdessen läuft das Sprachmodell lokal im Browser. Wer spielt, verursacht damit keine laufenden Kosten pro Unterhaltung.

Diese Wahl schränkt es momentan stark ein: Initial funktionierte das Spiel nur in Chrome mit einem Google-Modell, das vorher heruntergeladen werden muss. Das ist der Preis für so einen schnellen Prototyp, der in zwei Stunden entstanden ist.

Allerdings blicken wir hier vor allem auf die Zukunft. Wir gehen stark davon aus, dass die AI-Szene sich zukünftig so entwickeln dürfte, dass jedes Endgerät die Grafik- und Rechenpower mitbringt, um ein eigenes KI-Modell fest vorinstalliert zu haben. Bei einem ähnlichen Spiel würde zukünftig immer dieses angesprochen werden. Google, Apple, Microsoft und andere Tech-Giganten unternehmen schon länger klare Schritte in diese Richtung. Ergänzend bzw. entlastend für die riesigen und energietechnisch fragwürdigen Serverfarmen, von denen man oft in den Nachrichten hört, ist das auch ein sinnvoller Schritt.

Warum wir Vibe Coding ernst nehmen, aber nicht unkritisch betrachten

Vibe Coding ist für uns kein Unsinn. In zwei Stunden ein spielbares, thematisch klares Ergebnis zu bauen, zeigt, wie schnell sich eine Idee heute in etwas Anfassbares übersetzen lässt. Viele Diskussionen darüber drehen sich nur um dieses Tempo.

Der Begriff hat aber nicht ohne Grund einen umstrittenen Ruf: Zwar können jetzt viel mehr Menschen Software entwickeln, aber ohne ein geschultes Auge auf die Ergebnisse entsteht schnell "Slop". Im Fall eines produktiven Einsatzes können ohne die richtigen Review-Maßnahmen auch ganz schnell Sicherheitslücken und schwerwiegende Fehler unerkannt bleiben. Genau an dieser Stelle sehen wir unsere Aufgabe, wenn wir mit KI-gestützten Werkzeugen arbeiten: Wir profitieren vom erhöhten Arbeitstempo, prüfen aber, was am Ende dabei herauskommt. 

Fragen wie diese entscheiden, ob aus einem Prototyp eine belastbare Anwendung wird:

  • Ist der generierte Code verständlich genug, um ihn zu warten und weiterzuentwickeln? Entspricht er den Standards?
  • Passt das Ergebnis zur tatsächlichen Zielgruppe und deren Geräten?
  • Welche Daten verbleiben lokal, welche werden übertragen?
  • Was passiert, wenn ein Browser oder ein Modell nicht unterstützt wird?

Wer mit KI-Unterstützung baut, muss diese und ähnliche Fragen beantworten. Das Modell liefert Code, aber von sich aus nicht immer die Entscheidung darüber, ob dieser Code für den geplanten Einsatz geeignet und sicher genug ist. Oft muss man die KI seines Vertrauens aktiv darum bitten, den eigenen Code zu reviewen. Das kann gute und wichtige Ergebnisse liefern. Dennoch ist es immer empfehlenswert, auch menschliche Expertise drauf schauen zu lassen.

Bei erdfisch wird kein neuer Code ohne menschliche Prüfung in Betrieb genommen. Unser Vier-Augen-Prinzip stellt das in allen Workflows grundsätzlich sicher.

Was das für die Zukunft solcher Anwendungen bedeutet

Lokale Sprachmodelle direkt auf Endgeräten werden Anwendungen wie diese perspektivisch einfacher zugänglich machen, wenn mehr Geräte entsprechende Modelle von sich aus mitbringen. Wie schnell und in welcher Form das kommt, lässt sich heute nicht seriös vorhersagen. Für den Moment zeigt Dominiks Spielkonzept vor allem, dass lokale Large Language Models (LLM) schon jetzt möglich sind. Zukünftig dürfte der Trend weiter dahin gehen. 

Es beantwortet nicht, ob KI menschliche Entwicklungsarbeit ersetzt. Es zeigt, warum gute Prototypen weiterhin jemanden brauchen, der die richtigen technischen Fragen stellt.

Selfie: Drei erdfische Pascal, Dominik, Lothar in Kortrijk / Belgien 2026

Delegation erdfisch auf dem DrupalCamp Belgien 2026: v.l.n.r. Pascal, Dominik, Lothar.