Henjo, Pascal und Frank im Hörsaal auf der DrupalCon 2026 Rotterdam

DrupalCon Rotterdam 2026: Das beste Web-Framework auf dem Weg zu einer größeren Bühne

Drei erdfische, eine DrupalCon und ein Beta-Release, der mitten ins Programm fiel. Was wir aus Rotterdam mitgenommen haben und was davon Ihre nächste Plattformentscheidung betrifft.

Mittwoch, 30. September, mitten in der DrupalCon: Die erste Beta von Drupal 12 ist da. In Rotterdam wurde sie groß angekündigt. Wer die richtigen Sessions gehört hatte, wusste schon, was drin steckt.

Wir waren zu dritt dort: Frank, Henjo und Pascal. Wir haben Kund:innen und alte Bekannte aus der Community wiedergetroffen und zwischendurch ein Stück Hafenstadt gesehen. Jeder von uns hat Sessions mitgebracht, deren Inhalt unsere alltägliche Arbeit prägen wird.

Schiffe im innerstädtischen Hafen von Rotterdam mit Gebäuden im Hintergrund bei Sonnenschein.

Drupal CMS und ein schlanker Kern

Henjo saß am Dienstag in „The Case for Drupal CMS“. Auf der Bühne standen Pamela Barone und Lauri Timmanee, die Product Leads von Drupal CMS und Canvas. Mit der Ankündigung von Drupal CMS vor gut zwei Jahren hat Drupal den Kurs gewechselt. Ein Projekt, das jahrelang vor allem Entwickler:innen bedient hatte, kümmert sich seitdem ausdrücklich auch um Menschen mit weniger Technikwissen.

Mit Drupal 12 wird der Kern deutlich schlanker. Dinge, an die wir uns gewöhnt hatten, verlassen ihn, zum Beispiel das bisherige Standard-Frontend-Theme Olivero. Eine frische Core-Installation geht davon aus, dass Entwickler:innen darauf etwas komplett Eigenes aufbauen. Wer eine Basis will, die sofort nutzbar ist und gute Standard-Features mitbringt, installiert Drupal CMS. Diese Trennung war von Anfang an gewollt; jetzt wird sie noch sichtbarer.

Drupal Core und Drupal CMS

Drupal Core ist das Fundament, auf dem jede Drupal-Website läuft. Drupal CMS baut darauf auf und bringt eine fertige Auswahl an Modulen, Einstellungen und Vorlagen mit. Damit ist eine Website startklar, ohne dass eine Zeile Code geschrieben werden muss. Wir berichteten in der Vergangenheit darüber.

Was das für Ihr Projekt bedeutet

Wenn Sie eine neue Website planen, wird der Einstieg einfacher. Mit Drupal CMS bekommen Sie einen besseren und vielseitigeren Start als bisher. Inhaltstypen und Grundeinstellungen lassen sich über ein verständliches Interface vorab festlegen. Wir übernehmen danach, was eine Plattform auf Dauer braucht: Wartung, Updates und Weiterentwicklung.

Seit über zwanzig Jahren lösen wir jeden Projektbedarf mit Drupal. Mit Drupal CMS kommt ein ganz neuer Einstieg dazu, den wir genauso unterstützen, warten und erweitern. Geht Ihr Vorhaben über das hinaus, was eine reine Drupal-CMS-Installation leistet, haben Sie zwei Wege. Entweder wir erweitern Ihr Drupal CMS gezielt oder wir bauen direkt auf Core und entwickeln nur den Funktionsumfang, den Ihr Projekt wirklich braucht. Rotterdam hat gezeigt: Drupal geht genau in diese Richtung weiter.

Ein Detail aus der Session haben wir sofort ausprobiert: Über das Model Context Protocol, kurz MCP, können AI-Funktionen mit jedem Modul arbeiten, das diese standardisierte Schnittstelle anbietet. Pascal hat daraufhin eine erste MCP-Integration für unsere Modulsuite Sites gebaut. Noch am selben Abend lief sie. Die Perspektive: neue Websites in einem Multisite-System mit natürlicher Sprache anlegen und einrichten. So landet, was wir auf einer Con lernen, direkt in unseren eigenen Modulen.

Mehr dazu im MCP-Modul auf drupal.org.

Überall AI im Titel, in jeder Session etwas gelernt

Ehrlich gesagt hatten wir irgendwann genug. Nahezu jede Session trug AI im Titel, und vieles drehte sich um dasselbe Thema. Das ermüdet, gerade weil uns AI interessiert. Fachlich war das, was in diesen Sessions vermittelt wurde, trotzdem gut. Die Vorträge zu den AI-Themen wirkten reifer, praxisnäher und zielstrebiger als noch zuletzt in Wien. Und in jeder haben wir dazugelernt, wie die Drupal-Community mit AI umgeht. Wir setzen sie mit Bedacht ein: dort, wo sie ein konkretes Problem löst.

Besonders gepackt haben uns die Sessions, die genau das zeigen. In „AI-Assisted Contrib Module Maintenance“ haben Artem Dmitriiev und Marcus Johansson gezeigt, wie Coding Agents die Pflege von Drupal-Modulen entlasten. Die Agents sortieren die Issue Queue vor (das ist die Liste der Verbesserungen, die an Modulen vorgenommen werden müssen), erkennen Duplikate, sehen sich Code vorab an und schätzen Aufwände. Im AI-Modul beantworten sie sogar Hilfeanfragen automatisch. Funktionale Tests werden in der CI als Video aufgezeichnet, sodass alle Beteiligten Änderungen auf einen Blick prüfen können. Die Werkzeuge nehmen Maintainern Routinearbeit ab. Die Entscheidungen bleiben bei ihnen.

Pascal hat darin vieles wiedererkannt, was wir bei erdfisch schon machen. Wir setzen AI in der Modulentwicklung ein, auch im Review, damit unsere Module den Drupal-Richtlinien folgen und wartbar bleiben. Schön zu sehen, dass die Community ihre Ergebnisse dazu offen teilt, etwa als frei verfügbare Skills für Modulpflege und Dokumentation. Für die gemeinsame Arbeit an Issues hat drupal.org inzwischen eine eigene Richtlinie zum Einsatz von AI. Ihr Kern passt zu unserer Haltung: Hinter jedem Beitrag steht ein Mensch, der dafür geradesteht.

EEAT (Expertise, Experience, Authority, Trust) Vortragsfolie

Auch um die Themen SEO- und GEO-Optimierung ging es immer wieder. Ein wichtiges Forschungsergebnis zum Thema "Wer erscheint weit vorne oder wird von AI referenziert?" ist: Befolge das EEAT (Expertise, Experience, Authority, Trust) Prinzip: wisse, wovon du sprichst. Gib persönliche Erfahrungen zu den Recherchen hinzu. Unterfüttere Aussagen mit Belegen und sei ein Experte. Klingt eigentlich selbstverständlich, ist es aber natürlich in den unendlichen Weiten des Netzes nicht unbedingt.

Die Bedeutung für unsere Projekte

Rund 70 Projekte listen uns als Supporting Organization; etwa 50 davon werden tatsächlich von uns maintained. Bei unseren Modulen achten wir auf Qualität, Sicherheit und Wartbarkeit und folgen den Standards der Community, auch wenn AI beim Schreiben hilft. Wir entwickeln dort weiter, wo es nötig ist und wo ein Modul mit seinen Anforderungen wächst. Bei so vielen Modulen können wir nicht alle gleichzeitig auf dem aktuellen Stand halten, das wäre im Open Source Bereich eine Utopie. Aber wo es zählt, liefern wir nach, beispielsweise eine Schnittstelle wie MCP. Aktuell liegt unser Fokus auf der Multisite-Lösung Sites. 

erdfische Pascal und Henjo im Contribution-Raum der DrupalCon Rotterdam 2026.

Nach den Session-Tagen der Con wird traditionell nur noch contributed: Am letzten Tag des Events treffen sich alle, die wollen, im Venue und tragen zu Drupal und den verschiedensten dazugehörigen Open Source-Projekten bei.

Gute Inhalte entstehen mit AI

Auch Frank hat am Dienstag zwei Vorträge gehört, die für ihn zusammengehören. Aidan Foster hat gezeigt, wie Teams mit Methoden aus der UX-Forschung ihre ungeschriebenen Qualitätsregeln aufschreiben. Erst dann weiß eine AI überhaupt, was „gut“ heißt. Raffaele Chiocca hat das Modul AI Content Migrate vorgestellt. Es analysiert altes HTML und schlägt Inhaltstypen und Felder vor. Die Entscheidung trifft am Ende ein Mensch.

Franks Fazit: 

„Gute Inhalte entstehen mit KI. Nicht von KI.“ 

Drupal bringt die Werkzeuge dafür mit, über die Qualität entscheidet der Prozess.

Das haben wir bei uns selbst gemerkt. Wir wollten in einem Text eine einzelne Stelle verbessern – die AI hat gleich große Teile neu geschrieben. Einiges wurde dadurch wieder schlechter als es schon war. Das ist uns früher mehr als einmal passiert. Inzwischen haben wir bereits Tonalitätsvorgaben und Metainformationen für unsere Agents. Aus Rotterdam nehmen wir mit: Richtlinien strukturiert aufschreiben und Texte dagegen bewerten. Am meisten begeistert hat Frank dieses Scoring. Damit lässt sich vorher festlegen, wann ein Text fertig ist, und die Endlosschleife hat ein Ende. Absätze, die die Prüfung bestanden haben, fasst niemand mehr an. Sonst verschlimmbessern wir, was schon gut war. Am Ende liest ein Mensch einmal das Ganze.

Für Sie heißt das: Die Regeln stellen Sie selbst auf. Wir zeigen Ihnen, was Drupal dafür mitbringt, und bilden den Prozess gemeinsam mit Ihnen in Drupal ab. Wie das aussieht, sehen Sie in der offiziellen Drupal AI Demo. Beispiel-Richtlinien stecken dort in der Konfiguration. Da dürfen Sie ruhig spicken.

Mehr über KI-/AI-Lösungen in Drupal erfahren Sie hier. ▸

Drupal AI: Backend-Screenshot mit Scoring fürs Training der LLMs, die bei der Contentbearbeitung unterstützen.

Scoring-Systeme wie dieses erlauben immer detailliertere Trainings für LLMs, die an Drupal AI angebunden werden. Dadurch werden sowohl automatisierte Contentgenerierung als auch Reviews deutlich gestärkt und verfeinert.

Was wir mitnehmen

Dries Buytaert hat die Driesnote wie immer kurzweilig vorgetragen. Hängen geblieben ist bei Frank vor allem ein Aufruf, den Dries recht früh platziert hat: Redet über Drupal. Das ist seit Jahren der zentrale Aufruf, der alle angeht, die das System nutzen und gemeinsam verbessern. 

Drupal ist technisch Lichtjahre weiter als sein Ruf.
– Dries Buytaert

"DRUPAL ADVOCACY PROGRAM: Contribution sprints for advocacy work led by the Drupal Association." Folie aus der Driesnote der DrupalCon Rotterdam 2026.

Das Drupal Advocacy Program strebt an, Credits an Community-Mitglieder zu vergeben, die Drupal insbesondere außerhalb der "Bubble" bekannter machen. Dries Buytaert, der Drupal-Gründer hat das in seiner üblichen "Driesnote" angekündigt. Die Con stand unter dem Zeichen: Wie schaffen wir mehr Aufmerksamkeit für ein System, das technisch so viel weiter fortgeschritten ist als sein Ruf?

Drupal wird an beiden Enden stärker. Der Einstieg mit Drupal CMS wird leichter, der schlanke Kern lässt mehr Raum für Plattformen, die genau auf ihren Zweck gebaut sind. Dazu kommt AI in der Technik ebenso wie in der täglichen Contentarbeit. Die Community geht damit offen um, und so arbeiten wir auch. Die MCP-Integration für Sites zeigt, wie schnell bei uns in die eigenen Module wandert, was wir auf einer Con sehen. Auf Events wie der DrupalCon sind wir nah dran, wenn Drupal sich weiterentwickelt.

Sie überlegen, ob Drupal CMS oder ein Projekt auf Core der richtige Start für Ihre Plattform ist? Sprechen Sie uns an.